Blick ins Siliziumwerk für mehr Durchblick in der Cup-Lieferkette

Ein Lichtbogenofen in einer Siliziumproduktionshalle. Es ist ein Rinder großer Ofen mit Flammen. Die Produktionshalle schimmert in einem blauen Licht.

Eine umwerfende Produktion  

Liegt es an der umwerfenden Produktion oder warum sind wir so schräg?

An den Anblick des Tragens von Masken haben wir uns durch Corona schon gewöhnt. Aber da sind noch andere Dinge im Bild, die Fragen wecken. Warum tragen wir Helme, zu große Jacken und was glüht da neben uns in diesem Container?

Da poppt schon die Frage auf: Was machen zwei einhörner in einem Siliziumwerk?

Das Werk sah jedenfalls nach einem magischen Ort aus, denn überall glitzert es und die Funken sprühen. Somit ist es gar nicht so verwunderlich dort einhörner anzutreffen. Wir sind in das Siliziumwerk gefahren, um mehr über die Lieferkette unserer Papperlacups zu erfahren. Aus dem Silizium aus diesem Werk wird in Bayern Silikon gemacht. Und aus diesem Silikon dann unsere Papperlacups.

Die (grobe) Produktion von Silizium

Für die Produktion von Silizium ist Quarzkies als Ausgangsmaterial nötig (lese hier mehr). Das Silizium kann unter der Einwirkung von extremer Hitze herausgelöst werden (Hauptbestandteil des eingesetzten Quarzkieses). 1200°C sind für diesen Produktionsschritt nötig. Diese Hitze wird mit Hilfe von Holz, Kohle und Elektroden produziert. Das Ganze findet in einem Lichtbogenofen oder auch Reduktionsofen genannt, statt. Was sich nun ganz trocken anhört, lohnt sich aber anzuschauen, denn die Produktion ist sehr beeindruckend.

Zum Beispiel haben wir eine solche Wanne voller Glühen gesehen.

Auf gehts! – Die Produktion wollen wir uns mal aus der Nähe anschauen

Ich führe euch nun durch eine Produktionsstätte im Süden Deutschlands (in Pocking), welche nicht mehr für Besichtigungen offen steht. Das heißt, dass das nun eine ultimative Gelegenheit ist, hinter die Kulissen zu schauen. Und zwar die Kulissen der Siliziumproduktion.

— Private Erfahrung als Vorbereitung für das, was uns dann tatsächlich erwartete —

Also erstmal – Wie unsere Reise begann: Teresa und ich (Nadine) sind nach Passau gefahren und von dort aus nach Pocking, wo das Silizumwerk steht. 

Unsere Nacht in Passau war schon mal eine gute Einstimmung auf die Produktion, die wir uns am nächsten Tag angeschaut haben. Genauso wie die Silizumproduktiom IMMER läuft, und zwar Tag und Nacht jeden Tag im Jahr, genauso wenig haben wir geruht. Die Batterie in dem Rauchmelden in unserem Hotelzimmer war nämlich fast leer. Das heißt, dass dieser ständig ein schreckliches Geräusch von sich gab. Rauch und richtiges Feuer konnten wir dann auch auf dem Werkgelände sehen.

Nun aber los, aufs richtige Werkgelände.

Führung über das Gelände

Am nächsten Tag sind wir also nach Pocking gefahren und besuchten das einzige Siliziumwerk Deutschlands!

Es ist kalt und grau. Wir kommen auf dem Gelände an und gehen ein Stück Straße lang, das sich als LKW Waage herausstellt. Teresa und ich wiegen zusammen 140 kg. Jetzt wissen alle, welch schwere Rucksäcke und wie viele Geschenke wir dabei hatten. Einen ganzen Dino zum Beispiel.

Der Rohstoff Quarz – Erstmal war es Stein, und zwar nicht allzu fein

Was da eben vor uns über die LKW Waage gehuscht ist, war ein LKW, der Quarzkies transportiert. Das ist nämlich der Rohstoff für die Siliziumproduktion. Also aus Quarz wird Silizium und daraus dann das Silikon, welches in Tassenform gegossen wird- easy peasy.

Für die Produktion ist Quarzkies nötig und zwar mindestens Kies nicht Quarzsand. Das ist ein weit verbreitetes Missverständnis. Aus Quarzsand kann kein Silizium hergestellt werden. Da die Zwischenräume zwischen den Sandkörnern kleiner sind, als die zwischen einzelnen Kieselsteinen, ist Sand für die Siliziumproduktion ungeeignet. Durch diese Zwischenräume muss das Si (Element Silizium) durchfließen um Rohsilizium zu gewinnen. Und das hat bei Sand keinen Platz zu fließen. Wenn ihr nun mehr zu falschen Gerüchten über der Produktion lesen wollt, dann schaut euch doch auch noch diesen Blogartikel an. Für die Produktion von Silizium werden nämlich keine Strände geklaut.

Die LKW Waage verrät uns noch etwas Weiteres, und zwar, dass der Quarz auf der Straße transportiert wird. Zudem hat das Kennzeichen gezeigt, dass der Quarz aus der Umgebung stammt. Quarz wird generell nicht weit transportiert, da sich das in Geld ausgedrückt nicht lohnen würde. Sehr schweres Material für einen kleinen Preis.

Es werden 3 kg Quarz benötigt, um 1kg Silizium zu produzieren.

Weiter geht’s die Straße runter bis zum Häuschen 10. Wir sehen weitere Hallen, weiß dampfenden Schaum, Kisten, Rohre – haben keine Ahnung was das alles sein soll. Aber fotografieren alles. Und da kommt schon jemand angeradelt. Mist, wir fühlen uns ertappt. Auf dem Rad ist Wenig. Also Herr Wenig. Wie viel, nur eben das Gegenteil. Er wird uns heute ein wenig durch die Produktion führen. Eigentlich gibt es keine Führungen mehr, aber das heute ist eine Ausnahme. Also freut euch, dass ihr dabei sein könnt.

Hinter gebrochenen Fensterscheiben können wir es glühen sehen. Wir sind schon etwas aufgeregt. Vorne rechts auf dem Bild seht ihr eine Box voller Quarzkies.

Bevor es in die eigentlichen Produktionshallen geht, müssen wir uns gut ausstatten, und zwar mit Helm und XXL Jacke. Auch eine Atemmaske gehört dazu.

Was wird alles für die Siliziumproduktion benötigt?

Wir kommen an einem riesigen Haufen sandigem Kies vorbei, dem Ausgangsrohstoff der Siliziumproduktion. Ganz sandig ist der und muss erstmal gewaschen werden. Davon wandern auch gleich mal ein paar in meine Tasche. 

Der Quarz muss für den ganzen Winter im Herbst im Vorrat gekauft werden. Denn Quarz wird abgebaut und wenn der Boden gefroren ist, dann ist der Quarz natürlich weniger zugänglich.

Der Standort der Produktion ist nicht willkürlich gewählt. Für die Produktion von Silizium ist eine riesige Menge Energie nötig (für die Elektroden). In früheren Zeiten konnte die Produktion mit Wasserkraft betrieben werden. Das Werk in Pocking benötigt im Jahr so viel Strom wie die Stadt Regensburg. In Regensburg leben ca. 100 000 Menschen. Der Vorteil eines Unternehmens, welches Tag und Nacht in Betrieb ist, ist dass es als eine Art Netzstabilisator dient. Der Strom, der in der Nacht gewöhnlich nicht genutzt wird (außer alle waschen tatsächlich bald eher nachts Wäsche), wird für die Produktion eingesetzt. 

Zudem ist eine Menge Kohle für das Feuer nötig. Wir gehen ein einem großen Berg Kohle vorbei.

— Und weiter übers Gelände —

Wir spazieren weiter über das Gelände und sehen weiß dampfende Schaumsteine, Elektroden und massig Holzbetten, den Traum eines jeden hippen Menschen – also Paletten 😊

Wir wagen einen Blick unter einem Tor hindurch und sehen Flammen. Wann wird wohl der Funke auf uns überspringen?

Aber wie genau läuft nun die Produktion ab?

Wir haben nun schon alle benötigten Rohstoffe gesehen: Quarz, Kohle, Holz. Sie kommen alle in einem Lichtbogenofen zum Einsatz.

Das ist ein Lichtbogenofen oder auch Reduktionsofen. Davor hängen Stahlketten und Platten.

Im Hintergrund können wir einen Space-Traktor sehen. Komplett aus hitzestabilem Material mit kleinen Fenstern und einer Schaufel vorne dran. Damit wird dann Tag und Nacht Holzschnitze in den Ofen geworfen.

Also das läuft so: In einem Lichtbogenofen wird das Quarz geschmolzen und das flüssige Si fließt nach unten und kommt hier raus und wird auf das Band gekippt. Da bei diesem Prozess Funken sprühen können, mussten wir uns in einer sicheren Box mit Gittern aufhalten. Das erklärt die Optik des Bildes. Flüssiges Rohsilizium fließt auf einem Band und kühlt ab. Das band rüttelt und schüttelt sich. Dabei bilden sich einzelne Rohsiliziumbrocken. 

Das Band rüttelt hin und her, somit zerbrechen die Si Platten zu kleinen flachen Brocken. Die fallen dann noch bisschen glühend, aber definitiv heiß in eine Box (siehe Bild – etwas glühenden fällt gerade rein). Ein Bröckchen ist sogar rausgesprungen und hätte mich bestimmt getroffen, wäre ich nicht stehen geblieben, um dieses Bild zu knipsen. 

Das Finale (Produkt)

Nun endlich in der nächsten Halle sehen wir unseren Rohstoff für die Silikonproduktion. Viele kleine silberne Steine. Das ist das Endprodukt: Rohsilizium. Anscheinend sind sie aber noch heiß und wir dürfen sie nicht anfassen oder aber meine jetzt schon gut gefüllte Taschen lösen eine Vorsichtsmaßnahme aus.

Einige der Siliziumbrokken haben richtig viele Farben.

Das für die Silikonproduktion hergestellte Rohsilizium wird nun zu WACKER in Bayern geliefert. Dort wird daraus medizinisches Silikon für unsere Cups gemacht.

Wir waren sehr beeindruckt, von dem was wir zu diesem Schritt in der Lieferkette unserer Papperlacups erfahren haben.

Die Mission war erfolgreich, denn Teresa verlässt wie eine Superheldin im Film den Ort der Explosion, kehrt der Glut den Rücken zu.

Hinter Teresa das Licht der Flammen.

Schreitet sie nun von Dannen.

 

 

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