Die Menschen auf unserer Partnerplantage

Linda und Kowri

Nachdem ich 3 Monate lang fast täglich auf der Kautschukplantage in Malaysia war, konnte ich die Arbeiter*innen (insgesamt 16 Personen) auf der Partnerplantage besser kennenlernen. Über einige von ihnen möchte ich euch hier ein bisschen erzählen.

Hashim

Supervisor Hashim

Supervisor Hashim

Hashim ist 63 Jahre alt und arbeitet seit über 40 Jahren als Kautschuktapper. Er hat schon auf der Kai Sik Plantage Kautschuk gezapft, als sie noch dem Vater des jetzigen Eigentümers, der auch schon 66 Jahre alt ist, gehörte. Mittlerweile ist er der Supervisor der Plantage und führt genau Buch über die tägliche Latexmenge, die gezapft wird. Das Erste, was er macht, bevor das Wiegen und Verladen losgeht: Er schaltet sein kleines Taschenradio ein und indische Bollywoodklänge erfüllen die Sammelstelle. Hashim und seine Frau Fatima  haben drei Kinder und 6 Enkelkinder. Danisha, eine der Enkeltöchter, kommt Samstagmittags manchmal mit ihrem Fahrrad vorbei gefahren und sitzt dann stolz neben ihrem Opa.

Sundrambal

Sundrambal

Sundrambal

Sundrambal ist 51 Jahre alt und arbeitet seit sie 27 Jahre alt ist als Kautschukzapferin. Anders als viele andere der Arbeiterinnen und Arbeiter hat sie das Tappen von einer Freundin und nicht von ihren Eltern gelernt. Sie lebt bei ihrem Bruder und dessen Familie. Eine große Freude in ihrem Leben sind ihre Nichte und ihr Neffe, die sie mit viel Liebe täglich gemeinsam mit ihrer Schwägerin bekocht.

Sundrambal und ihre Freundin Bunga, eine andere Tapperin, haben ihre Tappingbereiche auf der Plantage nebeneinander. An einem Morgen zapfen sie ca. 450 Bäume in 4 Stunden und pausieren dann ca. 1 Stunde, bis die Becher mit flüssigem Latex vollgelaufen sind. Die beiden verbringen die Frühstückspause meist zwischen den Bäumen. Da packen sie die Blechdosen mit indischem Essen aus, gießen sich heißen, süßen Tee aus einer Thermoskanne ein und nehmen auf den Latexmilchkannen Platz. Zwischendrin klingelt manchmal das Handy und die Schwester fragt nach einer Idee fürs Mittagessen oder schlägt den nächsten Tempelbesuch vor. Mit Sundrambal habe ich viel zusammen gelacht, vor allem, wenn es sprachliche Missverständnisse zwischen uns gab. (Ich habe nicht verstanden, dass sie ihre Arbeitskleidung jeden Tag wäscht und dann am nächsten Morgen wieder anzieht. Sie schloss daraus, dass ich finde, dass sie stinke.)

Kowri

Kowri

Kowri

Kowri ist mit 71 Jahren die älteste der Tapperinnen. Sie arbeitet seit 15 Jahren zusammen mit Ihrer Tochter Nagesvari (56 Jahre alt) auf der Plantage. Das Tappen hat sie als Kind an den Wochenenden von ihrer Mutter gelernt, als die Kautschukplantagen noch zum Kolonialbesitz der Engländer gehörten. Um ihre Taille trägt sie eine Blechdose in der eine Räucherspirale vor sich hin glüht um die Mücken abzuhalten. Ihre Tochter hilft ihr dabei den gesammelten Latex auf ihrem Moped zur Sammelstelle zu transportieren. Bei einer Plantagengröße von ca. 80ha (über 110 Fußballfeldern), sind Motorroller als Transportmittel Gold wert.

Muthu und Murugay

Muthu und Murugay

Muthu und Murugay

Muthu und Murugay sind beide Ende 50. Mit Muthu konnte ich mich wenig unterhalten, da ich kein Tamil spreche und er nur ganz wenig Malaiisch. Seine Frau Murugay, die Malaiisch spricht, kennt sich sehr gut mit Pflanzen aus. Von ihr habe ich gelernt, dass die Kautschukbäume im Frühjahr (Januar-März) die Blätter verlieren und in der Zeit auch weniger Gummi produzieren. Darüber hinaus hat sie mir Pflanzen gezeigt, die gut gegen Diabetes sind und andere, mit denen man ein Kräuterbad zubereiten kann. Gemeinsam mit ihrem Mann Muthu hat sie 4 Kinder.

Isvaran

Isvaran

Isvaran

Isvaran ist mit 35 der jüngste Arbeiter auf der Plantage. Der Job als Kautschukzapfer verliert in Malaysia zunehmend an Attraktivität. Wenn ich nachgefragt habe, warum junge Menschen den Beruf nicht mehr erlernen wollen, hieß es oft, weil es stinke (frisch gezapfter Latex riecht stark), man früh aufstehen müsse und die Mücken einen stächen. Dienstags und sonntags betet er im hinduistischen Tempel (einmal war ich dabei) und nachmittags kümmert er sich um die 20 Kühe seiner Familie. Zwischenzeitig war Isvaran ein paar Tage krank. Im Krankheitsfall brauchen die Arbeiter*innen ein Attest vom Arzt und erhalten so ihren regulären Lohn.

Alle Arbeiter*innen haben einen festen Arbeitsvertrag und erhalten den Mindestlohn, der MYR 38,50 (Malaysische Ringgit), ca. 8,50€, pro Tag beträgt plus „Health insurance“. Sie arbeiten, wenn es nicht regnet, von montags bis samstags von ca. 5:30 Uhr bis 12.30 Uhr inklusive Frühstückspause.  Jeder tappt seinen eigenen Bereich, aber beim wiegen und verladen des flüssige Latex arbeiten alle Hand in Hand. Ich habe die Stimmung untereinander insgesamt als hilfsbereit und offen wahrgenommen.

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