Wer ohne Schuld ist, werfe das erste Einhorn!

Eine Antwort auf den Einhorn-Hype-Hype und Abgesang

Einhörner – in letzter Zeit sind sie nicht nur in aller Munde, sondern auch auf aller Bratwurste, unter aller Arme, in aller Arsche. Selbst der letzte Marketing-Neandertaler hat nun auch von dem Einhorn-Wind Wind bekommen und kriecht noch schnell aus seiner Höhle. Aber natürlich nicht mit leeren Händen, sondern mit einer glitzernden Plastik-Kiste voller Einhorn-Katzenfutter, Einhorn-Fußpilzcreme und Einhorn-Schamhaarmascara. Die Tragikomik: es funktioniert. Wie Zombies, die sich um das letzte Gehirn prügeln, prügeln sich Kunden jetzt um das letzte Einhorn.

Ja, es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis der Trend verfliegt und nur noch die eingefleischten Groupies für das Fabelwesen mit dem Horn ihre letzten Cents von ihrem Bankkonto schaben. Aber vor dem Trend ist nach dem Trend. Die Ruhe vor dem nächsten Sturm kratzt schon an der Supermarkt-Tür. Und sie heißt Faultier, Dinosaurier, Wurmfurz oder egal wie, denn die Leute werden es kaufen.

„Kunden verbinden positive Assoziationen mit Einhörnern: Kinderträume, nicht erwachsen werden, Hoffnung…“ erklärt Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU Vallendar den Trend (Quelle:dpa). Die Begründung wäre annehmbar, wenn sich das Alter der Käufer irgendwo zwischen Kindergarten und Zahnspange bewegen würde. Weit aus dem Fenster gelehnt, aber: vermutlich tut es das nicht. Wacht mal auf, werdet erwachsen, übernehmt Verantwortung! Der Begriff „Hoffnung“ wäre adäquat, wenn wir in Käfigen eingesperrte Zirkuspferde wären. Sind wir nicht. Wir treffen tagtäglich Entscheidungen. Mit dem, was wir sagen, was wir tragen, was wir tun, was wir kaufen. Wir haben eine Stimme, einen Impact und der Kassenbon ist unser Stimmzettel.

Mit dem, was wir konsumieren, bestimmen wir nicht nur, was in unserem Kühl- oder Badezimmerschrank steht, sondern auch das, was um uns herum passiert und als nächstes entschieden wird. Wie der nächste Hype aussehen wird, wie schnell er kommt, wann er geht und wie viele er in Mitleidenschaft zieht. Wie sehr er unseren Planeten und unsere Mitmenschen belastet. Denn jeder Hype hat eine Kehrseite. Was wir hier sehen: glitzerbunte Regenbogenwelt. Was wir nicht sehen: unterbezahlte Arbeiter, unmenschliche Lebensbedingungen, Müllberge über Müllberge.

„Don’t buy anything.“, ruft Vivienne Westwood auf. Ein extremes Statement für eine Frau, die doch eigentlich Teil der der Modeindustrie ist, aber ein mutiger und bewusster Schritt in eine bestimmte Richtung. Und darum geht es. Zu lernen, unsere Kaufentscheidungen bewusster zu treffen. Überhaupt: sich zu entscheiden. Und zwar eben auch mal dagegen.

Ja, sicherlich, jeder von uns hat diese emotional geleiteten Käufe zu Hause, die wir bereuen, weil uns der Feenstaub mal kurz die Synapsen lahm gelegt hat. Weil wir uns von den süßen Designs verführen lassen, weil die Hype-Produkte unseren Sammler-Instinkt wecken, bevor wir resümieren und kurz darüber nachdenken können, ob wir das Produkt nun brauchen oder nicht –  und die Unternehmen eben genau diese Schwächen ausnutzen. Was wir damit in erster Linie auslösen: eine unendliche Welle an schulterklopfenden Marketing-Chefs.

Nichts gegen Schulterklopfen – wäre ja völlig ok, wenn die holistische Idee hinter den Trend-Artikeln von einer positiven Motivation getrieben würde. Ja, bitte, nehmt unser Geld, wenn ihr uns dafür versichert, dass ihr etwas Besseres damit vorhabt, als es in den nächsten weltbelastenden Hype zu stecken. Dass eure Produkte zu fairen Arbeitsbedingungen und unter ökologischen Aspekten hergestellt werden, dass euch – genauso wenig wie uns – nicht egal ist, wie die Zukunft unseres Planeten aussieht. Lasst uns teilhaben an dem, was ihr erreicht und erreichen wollt, lasst uns die Verantwortung zusammen tragen, uns dann gegenseitig auf die Schulter klopfen und mit fairer Einhorn-Limo anstossen.

 

Dieser Artikel nimmt Bezug auf diesen hier! – ZDF Heute

 

for einhorn.my by Teresa Limmer

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2 replies on “Wer ohne Schuld ist, werfe das erste Einhorn!

  • De Tina

    Ich konnte allen Hypes um Einhörnern wiederstehen (auch wenn es mir bei den Einhorn – Einlegesohlen schwer fiel- vor allem im Bonus pack mit Einhorn – Slipeinlagen). Seit heute bin ich VERPACKUNGSOPFER. Ich habe eine Tüte erstanden . Die Packung geöffnet und hoffe nun darauf das der Feenstaub Zauber vollbringt. Ich muss jetzt nur noch die Tüte über meinem Mann leeren ….. richtig?

    Coole Idee! Danke!

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  • Ännie

    Ja, immer diese Tierhypes! Eulen, Füchse und Einhörner sind schon wieder out. Das neueste arme, zu Marketingzwecke missbrauchte Wild/Fabeltier ist der Flamingo! Guten Appetit bei der Flamingo Tütensuppe!

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