Tagesmenü Plastik-Suppe

Plastik im Ozean. 2050 haben wir mehr davon in unseren Ozeanen als Fische darin schwimmen! Hier ein kurzer Abriss zur Plastik-Suppe, die sich einst Ozeane nannten:

Entdeckung eines Problems…

Schäumende Gischt schlägt gegen das Boot von dem Ethnografen Thor Heyerdahl und seinem Team, als es am 12. Juli 1970 von seiner Atlantik-Überquerung in den Hafen von Barbados einfährt. Geschafft! Angetreten waren sie in einem Boot aus Papyrus, um zu beweisen, dass die Technik der alten Ägypter zu so einer Strapaze in der Lage gewesen war. Crazy Shit!

Der Medienrummel scheint sich aber um ein anderes Phänomen zu drehen: Das Papyrus-Boot traf auf seiner Route auf Ölklumpen, Teile von Plastikverpackungen und andere synthetische Materialien – fernab jeglicher Zivilisation. Diese Entdeckung wurde in den darauffolgenden Jahren von vielen weiteren Schiffsreisenden bestätigt. Der Plastikmüll wurde auf den Schiffsrouten zu einem ständigen Begleiter, sodass Ozeanographen schließlich begannen, die schwimmenden Plastikteile als Schwimmer zur Berechnung ihrer Strömungsmodelle zu nutzen. Was auch ein verrücktes Beispiel dafür ist, wie man aus einem Problem etwas lernen kann.

Bis in die 90er Jahre galt Plastik als integer, stark und unverwüstlich. Dann konnte ein japanischer Wissenschaftler nachweisen, dass Kunststoffteilchen toxische Stoffe (z. B. das Pestizid DDT) binden und somit als Transportmittel für diese Stoffe im Ozean dienen. Zudem wurde nachgewiesen das krebserregende und hormonell wirksame Weichmacher, die auch Bestandteil flexiblen Plastiks sind, sich im Ozean bereits bei circa 30°C aus Kunststoffen lösen. Der Kapitän und Ozeanograph Charles Moore durchfuhr etwa zur gleichen Zeit auf einer Heimreise von Hawaii zufällig den Nordpazifischen Müllstrudel. Er gründete daraufhin die NGO Algalita, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Nun begann sich das Bild zu ändern.

How Big is the Fish?

Müllstrudel im Meer sind nicht etwa kleine Inseln voller großer Plastikteile. Sie sind vielmehr eine einzige Suppe aus vielen kleinen Plastikteilchen, die sich vom Meeresboden bis zur Wasseroberfläche verteilen. Denn lösen sich die Weichmacher aus dem Plastik, wird es spröde und zerfällt in kleine Teile. Die größte „Plastik-Suppe“ umfasst aktuellen Schätzungen eines Forscherteams zufolge 1,6 Millionen Quadratkilometer. Deutschland passt locker viermal in dieses Gebiet.

2004 tauchte erstmals der Begriff Mikroplastik auf. Seither ist die Anzahl der Studien zu diesem Thema stark gestiegen. In vielen Ökosystemen wurde Mikroplastik nachgewiesen. Nur welches (öko-)toxikologische Risiko die Plastikteilchen haben, konnte bis heute noch niemand ausreichend beantworten. Die wissenschaftliche Bewertung von Plastik in der Umwelt ist also noch nicht abgeschlossen.

Klar ist allerdings schon, dass es etliche Problemfelder im Kontext von Mikroplastik gibt. Plastikteilchen, die in die Nahrungskette gelangen, ist eines dieser Problemfelder. Über Tiere, die Plastik mit Nahrung verwechseln, landen die Teilchen früher oder später auf unserem Teller. Mikroplastik kann selbst vermutlich Entzündungen im Körper auslösen und bindet zudem giftige Substanzen, die mit ihm in unseren Körpern landen. Ein weiteres Problemfeld entsteht, wenn Plastikteilchen zum Transportmedium für Organismen werden. So können sich Krankheitserreger weiter verbreiten oder Pflanzen in sensible Ökosysteme eindringen und die Biodiversität bedrohen.

Zurzeit befinden sich bereits rund 150 Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren. Über hunderte von Jahren wird es dort bleiben und immer mehr werden, wenn sich nicht grundlegend etwas ändert. Acht bis dreizehn Millionen Tonnen Müll werden jedes Jahr hinzukommen, Tendenz steigend. In anderen Worten: Jede Minute entleert ein Müllauto seinen Abfall im Meer. 2030 werden es bereits zwei Müllautos pro Minute sein und ganze vier (!) Müllautos in 2050. Und damit wird 2050 der Punkt gekommen sein, an dem es mehr Plastik als Fisch in unseren Ozeanen geben wird (gemessen am Gewicht). Wtf!?

Woher kommt all das Zeug?

Der größte Anteil an Plastikmüll in den Meeren stammt den Forschern zufolge aus Asien. Dort befindet sich die global stärkste Plastikproduktion. Die Verbindung zwischen einem zunehmenden Konsum und einem schlechten Abfallmanagement erklärt die hohe Verschmutzung in diesen Regionen. Eine gute interaktive Karte findet hier zum Beispiel hier. Aber seien wir mal ehrlich – bei uns ist auch nicht alles pikobello!

Die Ellen MacArthur Foundation zeigt auf, dass mehr als 30% der Plastikverpackungen weltweit in der Umwelt landen und gerade einmal 2% wirklich recycled werden. Auch Europa muss mehr Verantwortung übernehmen. Viele industrialisierte Länder „entsorgen“ ihren Plastikmüll, indem sie ihn nach Asien bringen. Außerdem machen Kunststoffverpackungen für Konsumgüter den größten Teil des Plastikmülls aus (circa 26 %). Und deren Design liegt vor allem bei den Unternehmen mit Sitz in Europa und USA. Auch wir müssen also zur Verantwortung gezogen werden.

32% der Plastik-Verpackungen landen in der Umwelt

Holy ****!!! Du willst wissen…

Wie geht man damit um?

Was können wir tun?

Wie könnte ein Fairstainability-Projekt dazu aussehen?

TO BE CONTINUED…

 

Dieser Artikel wurde zusammen mit Jannike Stöhr geschrieben, die in Ihrem Projekt „30 Jobs der Zukunft“ eine Woche Praktikum bei uns gemacht hat. Lieben Dank Jannike!!!

Quellen:

[bpb APuZ 1-3/2018, Meere und Ozeane]

[Ellen Macarthur Foundation 2017, New Plastics Economy]

[Bildquelle: New Plastics Economy, Ellen MacArthur Foundation, 2017]

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