Wie deine Vagina ganz viele andere Menschen bereichert

Wie deine Vagina ganz viele andere Menschen bereichert

Gleich vorneweg: Das wird kein Blogartikel über Gang Bang Veranstaltungen, auch nicht über freie Liebe und um deine Karriere in einem Bordell geht es auch nicht. Vielmehr geht es darum, dass du vielleicht zu den Glücklichen zählst, die in ihrem Leben bereits in den Genuss gekommen sind, zu menstruieren. Wir haben uns gefragt, wie menstruriert man nun aus vollem Herzen? Ich meine so richtig, so dass man damit der Welt etwas Gutes tut?

Die Antwort auf diese Frage, war tatsächlich nicht einfach so im Vorbeischlendern zu finden.
Unsere Fairstainability Zahlenbrain Maik hat das ganze mit der Periode und der Nachhaltigkeit in aufwendiger Nerd-Arbeit unter die ökologische Lupe genommen. Seine Erkenntnisse hat er in diesem Blogeintrag verewigt. Der Shortcut: wiederverwendbare Periodenprodukte wie den Cup zu benutzen, ist wie Reiten auf einem strahlenden Einhorn mit glitzernder Mähne. Wegwerfprodukte wie Tampons zu verwenden, gleicht eher dem Ritt auf einem kurzbeinigen Pony (auch ein Ritt, aber nicht ganz so strahlend). Und dennoch – auch dieses Pony hat seine Berechtigung und ist unserer Meinung nach eine gute (Übergangs-)lösung.

Pimp my Cotton Pony

Wenn wir nun diese kurzbeinigen Ponys schon anbieten, haben wir uns überlegt, sie zumindest fairstainabilitymäßig zu tunen. Also machten wir uns auf die Suche und stießen auf das Baumwollhandelsunternehmen Remei und die dazugehörige bioRe Stiftung. Die ganze Geschichte dazu findest du hier. Seit Jahrzehnten arbeiten sie als Pioniere  auf dem Gebiet nachhaltiger Baumwolle mit Kleinbauernfamilien u.a. in Tansania zusammen.

©bioRe Stiftung

Neben ihrem Engagement für mehr Fairness und Bioanbau, setzt sich die bioRe Stiftung auch dafür ein, die Lebensbedingungen in den Baumwollgebieten zu verbessern. Und das nicht mal so mit Wischiwaschi hier und ein bisschen Charity Cherry Picking da, sondern mit ganz viel Fingerspitzengefühl und Herzblut. Die Menschen, die von den Projekten profitieren, gestalten die Projekte mit und werden auch finanziell eingebunden.  Dadurch ist ihre Unabhängigkeit langfristig gesichert und die Motivation sprudelt noch ein bisschen mehr als sowieso schon. Vielleicht kennt ihr das ja selbst – Dinge, die es for free gibt, schätzt man oft weniger als das, was man sich selbst erarbeiten musste.

Stell dir vor, du hast 11 000 Euronen…

Bei der ersten Produktion der Tampons, Binden und Slipeinlagen investieren wir die bisher größte Fairstainability Summe in der gesamten Geschichte von einhorn. Über 11 000 Euro geben wir in die Hände der bioRe Stiftung für ihre Projekte in unserem Baumwolllieblingsland Tansania.
Letztendlich sind es aber eigentlich nicht wir, die das machen, sondern IHR. Denn wir könnten so tolle Produkte herstellen wie wir möchten, wenn niemand sie kauft, wäre das ein ziemlicher Schuss in den Ofen. Nun haben wir mit euch gemeinsam eine große Umfrage gestartet und euch abstimmen lassen, welches der folgenden Projekte ihr mit den 11 000€ unterstützen würdet.

Projekt Ernährungssicherheit ((Dringlichkeit 3/3) Einschätzung bioRe Expertin Christa)

©bioRe Stiftung

Das Problem: Besonders in der Trockenzeit ist es in Tansania alles andere als leicht, Lebensmittel anzubauen. Auch die Baumwollbäuerinnen und -bauern sind von diesem Problem betroffen. Neben der Baumwolle pflanzen sie auch u.a. Hirse und Mais an. So können sie sich und ihre Familien versorgen und die in der Bio Landwirtschaft geforderte Fruchtfolge (Förderung der Bodenfruchtbarkeit durch Wechsel der Pflanzen auf den Feldern) gewährleisten. Wenn es denn das Klima erlaubt…

Der bioRe Lösungsansatz: Zusammen mit den Bäuer*innen testet die Stiftung Samensorten, die trotz des fehlenden Wassers rund 60% mehr Ernte einbringen. Die bioRe verkauft das Saatgut an die Bäuer*innen. Zusammen mit einem landwirtschaftlichen Bearter bringen sie diese dann auf ihre Felder. Wenn alles gut läuft, sprießen in den Wochen und Monaten darauf kleine Hirse-, Mais,- und Sojapflänzchen. Die nachgezogenen Samen und die daraus entstandenen Lebensmittel, die sie nicht selbst brauchen, können Kleinbauernfamilien verkaufen. So können sie neben ihrer Ernährung auch ihr Einkommen weiter sichern. Die Spendengelder fließen in die Anschaffung der Samen, Projektleiter,Berater und Transport.

Projekt sauberes Trinkwasser (Dringlichkeit 3/3)

Das Problem: Aufgrund der großen Trockenheit ist auch Trinkwasser nicht ohne Weiteres verfügbar – und schon gar nicht rund um die Uhr und sauber. Besonders in den Trockenzeiten verschwindet das Wasser in den Flussbetten nahezu komplett. Die Familien müssen dann oft tief graben (5-8m!!!), um überhaupt welches zu gewinnen.

Der bioRe-Lösungsansatz: Zusammen mit einem Fachmenschen bauen die künftigen Nutzer*innen aus lokalen Rohstoffen wie Sand und Kies Brunnen, den sie als Water User Group in Zukunft nutzen können. Ein Brunnen versorgt durchschnittlich etwa 40 Haushalte (320 Menschen) und kostet ca 5300 €. Die Menschen vor Ort steuern ihre Arbeit bei und zahlen auf ein Konto für evtl. Reparaturen ein.

Projekt Frauennähguppen (Dringlichkeit 2/3)

©bioRe Stiftung

Das Problem: Die Emanzipation der Frauen ist in Tansania bei weitem noch kein so großes Thema wie mittlerweile bei uns. Die Frauen sind oft finanziell abhängig von ihren Männern, haben keine eigene Einkommensquelle und auch nur selten ungestörte Begegnungsorte.

Der bioRe Lösungsansatz: Die Frauennähgruppen ermöglichen es ihnen, nach der Ausbildung durch eine lokale Lehrerin, Säcke für die Baumwollernte, eigene Klamotten und Schuluniformen herzustellen und diese zu verkaufen. So können sie langfristig ihre Lebensgrundlage verbessern. Außerdem dienen die Workshops als ungestörter Austauschort. Es gibt bisher 3 Gruppen a 8-12 Frauen. Für die Finanzierung der Nähmaschinen wurde den Frauen ein Kredit gegeben, den sie teilweise zurückbezahlen. Die Konzipierung und Ausführung des Näh- Workshops wird aus Spenden bezahlt, z.B. 1250€ für 3 Monate Schulung.

Projekt Kochöfen, Gesundheit und CO2 (Dringlichkeit 2/3)

Das Problem: Traditionell wird in der Gegend von Meatu in Tansania auf einer offenen Drei-Steine-Feuerstelle im Haus gekocht. Der Rauch des Feuers füllt meist den ganzen Wohnraum aus, was u.a. Atembeschwerden bei den Menschen verursacht. Außerdem geht bei den offenen Feuerstellen viel Energie verloren. Dies führt zu unnötiger Nutzung natürlicher Ressourcen und natürlich auch zu einer zusätzlichen Hitze in den Hütten.

Der bioRe Lösungsansatz: Durch den Bau eines größtenteils geschlossenen Kochofens wird der Rauch aus dem Haus geleitet und die Luft im Inneren bleibt sauber. Der Bedarf an Feuerholz wird verringert, was zu einer schonenderen Nutzung des lokalen Waldes und einer deutlichen Einsparung von CO2-Emissionen führt.
Involvierte Menschen stellen lokales Material zur Verfügung und helfen beim Bau mit. Die Kosten betragen etwa 8-10 € pro Kochofen. (Kein optimaler Vergleich aber immerhin: 300 Öfen sparen in etwa soviel CO2, wie bei der Produktion von ca. 100.000 T-Shirts entsteht.)

Biolandbauschulungen (Dringlichkeit 2/3)

©biore Stiftung

Das Problem: Biolandbau ist nicht immer selbsterklärend und die Umstellung von konventionell auf ökologische Landwirtschaft ein umfangreicher Prozess mit vielen Hürden. Und dennoch führt auf lange Sicht kein Weg daran vorbei. Da die Böden durch die intensive konventionelle Bewirtschaftung immer mehr ihrer Supernährstoffkräfte verlieren und die eingesetzten Chemikalien die Pflanzen, Tiere und Menschen belasten.

Der bioRe Lösungsansatz: Durch die Eröffnung von  Schulungseinrichtungen können Berater*innen und Bäuer*innen ihre Erfahrungen und ihr Wissen über biologischen Landbau, Bodenqualität und Schädlingsbekämpfung miteinander teilen. Diese Weiterbildungsorte haben sich mittlerweile zu regionalen Kompetenzzentren entwickelt. Sie werden auch Bäuer*innen aus anderen Regionen aufgesucht und das Konzept weitet sich aus. Kosten sind:
Training im Biolandbau (Jahresbudget 5350 €)
Spezialtrainings: Landbau ohne Pflügen(Jahresbudget 10819 €)
Ausbildung Bodenerosionskontrolle (Jahresbudget ist 17119 €)

Danke Anke… und all euch anderen

Irgendwie doch genial, dass deine Vagina und ihre monatliche Blutung der Welt durch eine dieser Möglichkeiten etwas Gutes tun kann. Wir haben alle Meinungen, wohin das Geld fließen soll, zusammen in einen Topf geworfen. Dabei ist herausgekommen: 5300 € fließen an das Trinkwasserprojekt und 5700€ an die Ernährungssicherung. Wie geil jetzt kannst du einfach behaupten: „Meine Vagina trägt dazu bei, dass ein Brunnen gebaut.“
Aber nicht nur die Welt wird es dir danken, sondern auch die Baumwollbauern- und bäuerinnen in Tansania. Und gleichzeitig können wir es auch als Anlass sehen, ihnen zu danken. Denn ohne ihre großartige Arbeit, könntest du dich wahrscheinlich nur halb so entspannt während deiner Periode zurücklehnen und einfach laufen lassen…

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