Wie sexuell befreit bin ich eigentlich?

Sexuelle Freiheit – als bei uns im Team das Thema aufkam, dachte ich zunächst nicht darüber danach, wie sexuell befreit ich bin, sondern an die späten 60er-Jahre. Woodstock, Revolution, verbrannte BHs und Uschi Obermaier. “War bestimmt eine schöne und aufregende Zeit”, dachte ich mir. Aber was hat das Thema sexuelle Freiheit denn jetzt mit mir als Kind der 90er zu tun? Wenn schon meine Eltern in einer vermeintlich sexuell befreiten Gesellschaft aufwuchsen, dann muss ich mir im 21. Jahrhundert ja wohl keine Gedanken mehr darum machen. Oder etwa doch?

 

Wie befreit sind wir noch?

Je mehr ich über das Thema nachdachte, desto mehr kam ich zu dem Schluss, dass meine Lebensrealität so gut wie überhaupt nichts mit der denjenigen zu tun hat, die sich damals für sexuelle Freiheit einsetzten. Ja, ich setze mich durch meinen Job mehr mit Untenrum-Themen auseinander als viele andere. Die Kämpfe, die vor mehr als 50 Jahren geführt worden sind, unterscheiden sich aber von denen, die wir heute führen (sollten). Klar, ohne die damaligen Kämpfe würde ich vermutlich nicht hier sitzen. Meiner Generation wurde der Weg geebnet. Die sexuelle Revolution im Rahmen der Student*innenbewegung 1968 hat damals konservative Wertvorstellungen und Normen angeprangert, die noch von den Nazis geprägt waren. Abgesehen davon, dass auch heute konservative Werte wieder Hochkonjunktur haben – Wie sehr wirkt die sexuelle Revolution noch nach?

Jede Generation muss sich selbst sexuell befreien

Die Gesellschaft hat sich verändert, es ist heute viel mehr möglich und gleichzeitig viel mehr unmöglich. Das Internet, die Globalisierung, Bildungsexpansion, und eine mehr oder weniger pluralistische Gesellschaft – all das hat natürlich auch Einfluss auf unsere sexuelle Freiheit. Ich glaube, dass sexuelle Freiheit von jeder Generation gewissermaßen neu definiert werden muss. In einer Gesellschaft, in der Identität so eine wichtige Rolle spielt wie nie zu vor, braucht vielleicht sogar jedes Individuum seine eigene Definition. Um zu wissen, was sexuell befreit sein bedeutet, müssen wir wissen, was unsere sexuelle Freiheit beschränkt und gleichermaßen, was sie entfesselt.

Sexualität auszuleben ist einfacher geworden: Wir können unbekannte Menschen via Tinder zu einem Netflix & Chill einladen oder einfach überall und jederzeit Pornos gucken, wir können mit Leuten weltweit über das Thema debattieren. Bei onlyfans können wir Leuten folgen, die wir hot finden  und uns einfach jederzeit online über das Thema Sex in all seinen Spielarten informieren. Eigentlich müssten wir die aufgeklärteste Generation und die sexuell befreiteste Generation schlechthin sein.

Doch gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass wir überhaupt nicht befreit sind: Mich regt es auf, dass viele Mainstream-Pornos Menschen verunsichern, so dass Operationen an den Vulvalippen seit Jahren immer beliebter werden. Dass die meisten Menschen immer noch nicht den Unterschied zwischen Vulva und Vagina kennen und dass viele nicht akzeptieren wollen, dass es mehr als nur zwei Geschlechter gibt. Und ja, die Pille war damals cool, heute wissen wir, dass das nur bedingt stimmt. Aber warum zur Hölle gibt es immer noch keine anständigen Verhütungsmittel für Männer? Warum werden Schwangerschaftsabbrüche immer noch bestraft? Wieso wird ein Kind für eine Frau noch immer als Karrierekiller angesehen? Weshalb wird in Deutschland jeden dritten Tag eine Frau von ihrem Partner umgebracht, eben weil sie eine Frau ist? Mir fallen tausend Dinge ein. Ich frage mich: Wie sexuell befreit kann man in einer Gesellschaft überhaupt sein, in der Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern asymmetrisch sind?

Erkenntnis als erster Schritt auf dem Pfad zur sexuellen Freiheit

Halten wir fest: Es gibt also neue und alte Zwänge, die sich miteinander verbinden und uns auf unterschiedlichste Art und Weise verunsichern. Wenn wir uns darüber bewusst werden, was es ist, das uns einschränkt, dann können wir dagegen angehen. Das Thema “Sexuelle Freiheit” ist aktuell – und es lohnt sich, sich damit zu beschäftigen. Alleine zu überlegen, in welchen Situationen man sich sexuell frei fühlt ist lohnenswert. Auch wenn Corona zugegebenermaßen gerade auch auf diese Situationen einen Einfluss hat. Sich selber die Frage zu stellen, was einem gut tut, was man ausprobieren möchte und sich zu überlegen, was einen darin hindert, ist aufregend und schön. Zudem stärkt es einen auch für die Zeit nach dem Lockdown. Ich will wissen, was meine Generation über das Thema sexuelle Freiheit denkt. Denn kaum ein Thema ist so intim und gleichzeitig so politisch.

Also: Sei nicht schüchtern 😉  Klick hier drauf und füll unsere Umfrage aus – du kannst dabei nur gewinnen.

 

 


One reply on “Wie sexuell befreit bin ich eigentlich?

  • Anne Marie

    Liebes Team von Einhorn,

    was ihr macht ist einfach nur super. Viel mehr gibts dazu einfach nicht zu sagen. Eure Packungs-Designs sind inklusiv und realitätsnah! (Habt ihr mal überlegt auch noch dis-abled Menschen zu representen?) Also einfach nur Chapo und “Hut ab”. Ich hab auch keine Lust mehr über meine Periode zu flüstern, als wäre es ein dreiköpfiges Monster. 😉
    Vielen Dank für euer Engagement.

    LG, ein TamTamPon-Fan!

    Antworten

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