Willkommen im Team Abdel – Abenteuerreisender wider Willen

Willkommen im Team Abdel!

Wir haben ein neues einhorn im Team. Abdel ist 28 Jahre und wird uns für ein paar Monate in der Logistik helfen. Eigentlich ist er total überqualifiziert, denn Abdel ist Kinderarzt. Zurzeit absolviert er alle möglichen Kurse um möglichst bald wieder als Arzt zu arbeiten in Deutschland. Normalerweise stellt sich jedes neue einhorn kurz selbst vor, aber diesmal übernehme ich das persönlich weil seine Original-Story so gar nicht in unsere einhorny-shiny-magical Welt passt:

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Wir haben uns am 20. Februar dieses Jahres in Dahlem kennengelernt. Er wohnte dort bereits seit Monaten mit ca. 200 anderen Gästen in einem neuen Concept-Boutique- Hotel mit sportlichem Ambiente. Es war die Endstation seines Abenteuerurlaubs. Ähnlich wie ich vor 2 Jahren eine 6 monatige Auszeit nahm um von Costa Rica nach Bolivien backpacken zu gehen, ist er mit dem Rucksack aufgebrochen aus Syrien um nach Deutschland zu reisen und hat ebenfalls 6 Monate gebraucht. Lediglich unsere Motive unterschieden sich ein wenig.

Er sprach bereits damals ein beeindruckendes Deutsch, das er sich auf seiner monatelangen Sprachreise über die Webseite von Rosetta Stone selbst beigebracht hatte. Dazu hatte er eine Menge Zeit, denn die Reiseanbieter in den jeweiligen Ländern mussten gut gewählt werden, da viele von Ihnen sehr unzuverlässig waren und unglaublich teuer. Für seine Abenteuerreise nach Deutschland hatte Abdel max. 10.000 $ eingeplant und am Ende haute es gerade so hin. Seine Reise startete in Syrien und dann relativ langweilig weiter über die Türkei mit einem günstigen Visum für 600$ mit dem Flugzeug nach St. Petersburg und dort begann auch sein Pech mit den Reiseveranstaltern. Obwohl ein Reiseführer versprochen wurde, der ihn am Flughafen empfing und in die schönen Wälder Finnlands begleitete, war niemand da. Also schlug sich Abdel erst mal selbst durch zum russischen Städtchen Vyborg an der Grenze Finnlands. Fehlende Sprachkenntnisse sorgten dafür, dass besorgte Polizisten ihn mit einem lokalen Raufbold Oleg verwechselten und erst nach mehrmaligen Faustschlägen ins Gesicht und einer klitzekleinen Verhaftung den Irrtum erkannten. Als Entschuldigung boten Sie einen sehr günstigen Geleitschutz aus der Stadt nach Moskau an für nur 1.270 $, damit ihm der stadtbekannte Raufbold Oleg kein Haar krümmen kann.

Von Moskau ging es direkt mit dem Flugzeug in die Urlaubsregion Krim, um sich erst mal bei einem 2-monatigen Strandurlaub am Schwarzen Meer von den Strapazen zu erholen. Anfang August bot dann ein freundlicher Gemüse LKW-Fahrer an Abdel weiter in die Ukraine zu mitzunehmen. Im Nachhinein fand Abdel dafür 500$ etwas viel und hätte man unter den Gemüsekisten auch mehr Luft bekommen wäre das prima gewesen. Aber die Preise sind ja bekanntermaßen überall unterschiedlich.

Jetzt wollte Abdel endlich den Eurotrip antreten und fand auch einen vermeintlich seriösen Reiseanbieter, der für lächerliche 6.000$ eine Landschaftstour nach Ungarn anbot. Besonders ärgerlich war allerdings die Vergesslichkeit des Reiseanbieters. Kurz vor der Grenze ließ er alle Reisegäste aussteigen nur um mal kurz zu prüfen ob die Öffnungszeiten der Grenze mit seinen Aufzeichnungen übereinstimmten und das freundliche Grenzpersonal ein paar Kilometer weiter sich schon auf die Reisegäste freuten. Doch dann vergaß er doch glatt wiederzukommen und die Reisegäste standen ohne Pässe und Reisetaschen mitten in der Pampa. Wäre das spontane Survivaltraining im Reiseprospekt gestanden, wäre das sicher kein Problem gewesen aber so war das ganz schön überraschend und ermüdend tagelang nach Odessa zurückzulaufen und zu trampen. Immerhin griff die Reiseversicherung und der Reiseanbieter gab nach Androhung einer Klage 4.000$ widerwillig zurück.

Aber Abdel dachte gar nicht erst daran seine Reise dadurch verderben zu lassen sondern wollte seiner Abenteuerreise noch ein wenig mehr Adrenalin geben. Also buchte er einen aufregenden Flug mit einem 1-Mann Leichtflieger an der malerischen ukrainischen Grenze direkt ins ungarische Urlaubsparadies Nyiregyhaza.

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Es war geradezu ein Schnäppchen für 6500$, denn an der Ankunftsstelle wurde eine luxuriöse Abholung mit einem Jeep und einem Kaltgetränk nach Wahl versprochen und eine Weiterfahrt nach Wien. Aber Abdel wurde wiedermal vom Reiseveranstalter enttäuscht. Das Kaltgetränk wurde nicht serviert. Von der beschaulichen Landschaft hat er nichts gesehen, da der Flug nachts stattfand und das Reisegepäck musste er während dem Flug selbst halten, was ihm fast seinen Arm gequetscht hätte aber immerhin besser als vom Propeller abgerissen zu werden. Ach ja und schweigen musste man auch, da laut Pilot die Grenzbeamten sonst beim Schlaf gestört werden.

Anstelle auch hier wieder einen Teil der Reisekosten zu erstatten aufgrund der Vorfälle, rannten die Veranstalter einfach weg. Da stand Abdel nun und suchte Jeep. Glücklicherweise hatte der Reiseveranstalter wohl mit einer anderen Erlebnisreise-Agentur zusammengearbeitet die mit Taschenlampen und Polizeiverkleidung sehr realitätsnah ihn und andere Abenteuerurlauber einsammelten und in einen sehr realistischen Gefängnisnachbau brachten. Man muss anerkennen, dass dieser Anbieter sehr professionell agierte und man kaum erkennen konnte, dass es Teil des gebuchten Abenteuerpakets war. Zukünftig wollte Abdel etwas weniger Adrenalin buchen, denn etwas zu trinken und essen wäre im Abenteuergefängnis nach 36 Stunden schon angenehmer gewesen. Immerhin gab es eine kostenlose Zugfahrt nach Budapest dazu.

Egal, nachdem dieser etwas abenteuerliche Part abgeschlossen war, wollte Abdel es etwas ruhiger angehen lassen und vor allem günstiger, denn die Urlaubskasse war schon fast leer. Also sprang er in den nächsten Zug von Budapest nach Frankfurt. In einem Reiseführer las Abdel, dass es empfohlen wird einen europäischen Pass beim Reisen in Europa zu besitzen und kaufte deshalb einen leicht überteuerten italienischen Pass für 600$. Später stellte sich sogar noch heraus, dass dieser nicht echt war. Von Frankfurt ging es mit dem Zug nach Bremen wo er nun endlich das letzte Ticket seiner Abenteuerreise löste und bekam den Königsteiner Schlüssel für das Erlebnishotel mit sportlichem Ambiente in Berlin, in dem wir uns ja kennenlernten. Ach so, gerne hätte Abdel ein paar Bilder seiner Digitalkamera hier im Beitrag gepostet aber sie wurde ihm geklaut…in Bremen.

So oder so, wir sind froh, dass Abdel nach dieser spannenden Rucksack-Abenteuerreise bei uns ein wenig aushilft bis er endlich wieder seiner Leidenschaft als Kinderarzt nachgehen kann und hoffentlich in Berlin eine Stelle bekommt. Also falls ihr jmd kennt, der jemanden kennt. Gerne infos an waldemar(at)einhorn.my.

In Kürze bringen wir auch einen Guide raus, wie man Abenteuerreisende am besten einstellt. Francesca, unser head of fairstainability arbeitet bereits daran. Wer Interesse an der anderen Version der Geschichte hat, bald ebenfalls im Blog.

 

 

 

 

 

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