Kinderarbeit in unserer Lieferkette?!

Piep

Was? Das geht doch nicht? Kacke! Kinder dürfen nicht arbeiten. Das ist nicht gut. True story! Da stimmen wir voll zu.

Aber, als ich im April auf Plantagen in unserer Lieferkette unterwegs war, habe ich mitbekommen, dass einer Arbeiter seinen 15-jährigen Sohn mit zur Arbeit bringt und er ihm morgens beim Anzapfen der Bäume hilft. Morgens, genau in den Stunden, in denen er eigentlich zur Schule  gehen könnte/sollte/müsste/dürfte. Er ist also nicht angestellt, sondern sein Vater hat ihn mitgenommen, damit er einfach zwei unterstützende Hände mehr bei der Arbeit hat.

Wie sieht er/sein Papa das?

So richtig mit mir reden wollten die beiden nicht.  Sie wirken eher etwas schüchtern und haben zu mir wahrscheinlich auch weniger Vertrauen. Aber was ich von einer der Arbeiterinnen, die auf der Plantage ganz gut die Lage checkt, erfahren habe: Er hat einfach kein Bock mehr auf Schule und sein Papa sagt: „Bevor du nur faul zu Hause rum sitzt, kommst du lieber mit und hilfst mir.“

Wie sieht der Plantagenbesitzer das?

Der findet es auch uncool, dass einer seinen Sohn mitbringt. Ihm ist bewusst, dass er rechtlich noch ein „Kind“ ist und will nicht, dass ihm irgendwas auf der Plantage passiert. Dem Arbeiter kündigen findet er aber auch nicht den richtigen Weg. Und jetzt zu drohen, dass er seinen Sohn nicht mehr mitbringen solle, findet er auch nicht die feine Art. Zumal das auch schwer zu kontrollieren ist.  Es gab auch schon die Überlegung, auch dem Sohn Geld für seine Arbeit zu zahlen. Aber das ist rechtlich schwierig, da er minderjährig ist.

§§§ Wie ist die rechtliche Lage? §§§

Rechtliche Lage

Rechtliche Lage

Es gibt unterschiedliche „Grade“ von Kinderarbeit.

Vorneweg: In Malaysia sind Kinder/Jugendliche bis 16 Jahre schulpflichtig.

Laut ILO-Konventionen (International Labour Organization), die Malaysia unterschrieben hat, gibt es für verschiedene Arten von Arbeit ein „Mindestalter“. In Entwicklungsländern kann das abweichen, was aber bei Malaysia nicht der Fall ist. Es wird unterschieden in:

  •  „Light Work„: Children between the ages of 13 and 15 years old may do light work, as long as it does not threaten their health and safety, or hinder their education or vocational orientation and training.
  • „Basic Minimum Age“:  The minimum age for (non light) work should not be below the age for finishing compulsory schooling, and in any case not less than 15.
  • „Hazardous (gefährlich) Work“: Any work which is likely to jeopardize children’s physical, mental or moral heath, safety or morals should not be done by anyone under the age of 18.

Was will einhorn und warum?

Wir wollen, dass der Sohn nicht jeden Tag auf der Plantage arbeitet. Nicht, weil er per se da nicht arbeiten soll, sondern weil wir für ihn wollen, dass er etwas lernt und etwas in den Händen halten kann, was ihm in Zukunft weiterhilft. Das muss nicht Schule sein. Aber vielleicht ein Training, eine Art Ausbildung, o.Ä.. Er kann gerne am Wochenende auf der Plantage arbeiten und dann aber auch richtig angestellt sein, mit Sozialversicherungen etc. und eigenem Lohn.

Und was jetzt?

Was jetzt?

Was jetzt?

Wir haben mit dem Plantagenmanagement  Möglichkeiten rausgesucht, wo er zu einer Art Berufsschule gehen kann. Jetzt sind wir im Gespräch und lohten die Möglichkeiten aus. Das richtig Gute ist, dass ich unsere Sichtweise deutlich machen konnte und das Management sich  selbst als gute Arbeitgeber versteht und dem Thema angenommen habt. Und heute kamen die Neuigkeiten: Sie haben einen Kurs für Schulabrecher gefunden, mit dem er eine Ausbildung machen kann! 🙂 Jetzt kümmern sie sich nur noch um die Anmeldung und allen geht es gut damit !

Ethisches Dilemma

Wenn man das so ließt denkt man, jo, easy peasy, hätte ich auch so gemacht. Aber eigentlich wars ziemlich crazy. Als wir das erste Mal mitbekommen haben, dass der Sohn da arbeitet, haben wir gesagt, dass wir das nicht gut heißen und es so nicht geht. Als Reaktion hat er in der nächsten Woche nicht mehr da gearbeitet. Stattdessen hat er dann in einer Autowäscherei gejobbt. Geil, Problem gelöst? Nee, eben nicht. Wir mussten erstmal selber checken, was wir jetzt an der ganzen Situation störend fanden. Weil es „nicht richtig“ ist, dass Kinder arbeiten? Ok, aber warum? Und mit welcher Konsequenz? Und dann einfach das Management unter Druck setzen, dass wir das kacke finden und er das ändern muss, weil wir sonst nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten? Was löst das? Genau, eher weniger. Und wer sind wir zu entscheiden was ethisch vertretbar ist und was nicht?

Ihr seht, es geht bei Fairstainability nicht um eine Checkbox und gut ist, sondern um stetige Aushandlungsprozesse und um das Verstehen der Realitäten vor Ort.

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