Lindas Tagebuch aus der Latex-Welt

Planted in Trang

Jetzt bin ich seit 1 Monat in Malaysia und Thailand auf Latex-Mission unterwegs und es ist Wahnsinn, wie schnell hier die Zeit vergeht und was ich alles erlebe und lerne. Auf dem Bild oben seht ihr übrigens den 1. Kautschukbaum Thailands.

Was geht so in Thailand und warum ist das spannend?

In Thailand wird weltweit am meisten Kautschuk angebaut und in Malaysia ist es ein Sunset-Business, also auf dem absteigenden Ast. Hier gibt es Bauern (von Katleens Video), die Kautschuk alternativer anbauen.

Agroforst-System mit anderen Pflanzen als Zwischenwuchs

Die Einen pflanzen bedrohte Baumarten in ihren Plot, andere haben Pflanzen mit medizinischem Wert angepflanzt und hin und wieder findet man auch einen Fruchtbaum zwischen den Kautschukbäumen hervorlucken. Es geht also, Kautschuk anders anzubauen. Und das Ganze hat auch wissenschaftlich erwiesen einen Mehrwert:

zum Beispiel ist durch den Blattfall der unterschiedlichen Pflanzenarten der Boden fruchtbarer und die Bauern brauchen weniger Geld für Dünger o.Ä. ausgeben.

Soweit so gut.

Es gibt sie also, diese coolen Kautschukbauern. Aber Kautschuk ist nicht gleich Kautschuk und Latex nicht gleich Latex. In den letzten 3 Wochen habe ich so viel über die Qualitätsanforderungen gelernt, die der Latex erfüllen muss. Einerseits muss er möglichst rein und ohne zu viel durch die Gegend gefahren worden zu sein beim Latexprozessor ankommen. Eine bestimmte Bakteriendichte darf da nicht überschritten

Testen des Bakteriengehalts

Testen des Bakteriengehalts

sein und der Latex muss auch genug „Gummianteil“ haben und nicht nur aus Wasser bestehen.

 

Und daaannn gibt’s auch noch die Qualitätsansprüche, die unser Kondomproduzent Richter Rubber an den Latexprozessor stellt. Das jetzt hier aufzuführen, würde zu chemisch werden.

Was ist die Crazyness?

Die Crazyness ist, dass die Bauern so gut wie keinen Kontakt zu den Aufbereitern haben. Die wissen also gar nicht, was die Anforderungen an sehr hohe Qualität sind. Meistens stehen sie nur mit „Middle Men“, also Zwischenhändlern in Kontakt, die ihnen den Latex abkaufen und dann weiterverkaufen. So verschmutzt der Latex schneller, weil er aus allen möglichen Quellen zusammengekippt wird. Und der Preis, den die Bauern erhalten, ist auch nochmal niedriger, weil ein Teil ja an den Zwischenhändler abgegeben werden muss.

Wie kommen also Bauern und Latexaufbereiter zusammen?

Ich hab einen Workshop organisiert um voneinander zu lernen worauf es bei sauberer Latexverarbeitung ankommt, wie Kautschuk ökologischer angebaut werden kann und wieso das für deutsche Konsumenten wichtiger wird.

Workshop Teilnehmer

Workshop Teilnehmer

Da saßen 10 Bauern, Dr. Sara von der Uni Hat Yai und 3 Latexaufbereiter, die sich ausgetauscht haben. Wie kann man Kautschuk mit anderen Pflanzen anbauen? Was für Vorteile bringt das? Wie erhöht sich dadurch der Output? Worauf kommt es beim Transport und der Weiterverarbeitung an? Wie sieht der Markt für Latex aus und was erwarten die Kunden (wie wir)? Welche Abhängigkeiten bestehen?

 

Es war richtig cool zu sehen, wie sich alle gegenseitig Fragen gestellt haben und Experten auf ihren Gebieten sind und jetzt schauen wir, wie es weitergeht. Zuerst muss unser Kondomproduzent von den Aufbereitern Latexproben erhalten um zu sehen, ob der Latex für Kondome geeignet ist. Wenn die passen, können wir Latex aus Thailand beziehen und die Latexaufbereiter können den Latex von den Bauern beziehen und und und…- hach, das wäre traumhaft. Aber jetzt halten wir erstmal den Ball flach und warten auf die Qualitätsanalyse…;)

 

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