To pill or not to pill – Was halten wir denn nun wirklich von der Pille?

Die Anti-Baby-Pille – eine kleine runde Pille, die man sich einfach so einwirft und dadurch nicht schwanger wird. In der Theorie klingt das alles super cool und einfach. Dass dieses Thema jedoch eins der heikelsten und am kontroversesten diskutierten Themen auf unseren Kanälen sein wird, war uns auch bewusst. Wie geht man also am Besten an ein Thema heran, über das die Menschen gespaltener nicht sein könnten?

Eine guter Ansatz: Wir fragen die Community! Ihr habt uns schon oft mit euren Meinungen geholfen und Ansätze aufgezeigt, an die wir bisher gar nicht gedacht hatten.

Was haltet ihr also von der Pille? Nehmt ihr sie überhaupt? 🤷‍♀️

Und dann der Schock: 79% sagen, sie nähmen die Pille gar nicht. Wieso jetzt eigentlich und wie sollen wir sagen ob gut oder schlecht wenn keiner das Ding einwirft? Ihr habt aber, wie aus der Pistole geschossen auch eure Geschichten und Erfahrungen mit uns geteilt, die genau begründet haben, weshalb so viele von euch die Pille nicht mehr nehmen und was für Alternativen ihr jetzt benutzt.

Da ich Zahlen auch nicht so gerne mag, halte ich den analytischen Teil kurz: Von den knapp 80 Prozent, die nicht die Pille nehmen, benutzen immerhin 58% gut und gerne Kondome, bestimmt nur unsere einhorn-Gummis! *yeaaah* 18,8 % sagen, dass sie die komplett natürliche Methode der Temperaturmessung eingeschlagen haben, auch genannt NFP (natürliche Familienplanung). Dabei haben sie aber betont, dass sie an den „gefährlichen“ Tagen zusätzlich ein Kondom benutzen. 

8,3 % benutzen die Kupferspirale, 2,8% die Kupferkette und 1,4% den Kupferball. Bei einigen scheinen die Kupfermethoden hoch im Kurs zu stehen, denn auch in den persönlichen Erfahrungsberichten, wurden immer wieder die „Kupferstecher“ gelobt. Viele von euch haben aber auch gesagt, dass sich mit den Kupferteilen die Blutung verstärkt und die Schmerzen während der Periode ebenfalls zunehmen. Immerhin verhüten weiterhin 8,2% hormonell mit dem Hormonring oder der Hormonspirale. Das Diaphragma wird nur von 1,1% der verhütenden Community benutzt.

Eure persönlichen Erfahrungen erstaunen uns aber noch viel mehr. #Gossssiiiip

So haben uns einige erzählt, dass sie schnell gemerkt haben, wie es ihnen nach erstem Einwurf der Pille schlechter ging. Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen waren häufig Nebenwirkungen und ließen erst nach, als ihr die Pille wieder abgesetzt habt. Manche berichteten auch, dass sie die Beklemmungen und wie ihr es genannt habt „den Käfig“ der Hormone erst gemerkt habt, als ihr die Pille nicht mehr eingenommen habt, aus welchen Gründen auch immer. Besonders bei jungen Frauen, die seit der Pubertät die Pille nehmen, stellt sich ein gewisser Selbstfindungs-Effekt ein. 

„Jetzt weiß ich wer ich wirklich bin.“ – „Ich habe mich das erste Mal wohl gefühlt in meinem Körper.“ und viele weitere solche Nachrichten haben uns erreicht.

Endlich wieder Sex!💦

Auch die Libido hat bei vielen unter der regelmäßigen Einnahme der Anti-Baby-Pille gelitten. Weniger Lust auf Sex, vaginale Trockenheit oder regelmäßige Anfälle von Scheidenpilzen waren die Folge. Bei den meisten hat es sich schnell nach Ende der hormonellen Verhütung wieder einpendelt. Dafür wurde dann richtig losgelegt! 

Ich kann dich nicht mehr riechen

Eine weitere interessante Nebenwirkung kann die Veränderung des Geruchssinns sein. Während der Einnahme und schließlich auch beim Absetzen der Pille kann sich die Wahrnehmung von Gerüchen ändern. Nicht ohne Grund existiert das Sprichwort „Wir könnten jemanden nicht riechen.“. Unterbewusst suchen wir uns wohl anhand von Pheromonen unsere Partner aus. Wenn sich jetzt der Geruchssinn aber änder, weil ich die Pille absetze um schwanger zu werden, kann es durchaus sein, dass ich mich von meinem Partner mehr oder weniger angezogen fühle als vorher. Crazy!

Aber…

Jetzt müssen wir auch mal eine Lanze brechen. Zwischen all den Horror-Nachrichten, die uns erreicht haben, steckten auch einige, die wirklich gute Erfahrungen mit der Pille gemacht haben. Für manche schien die Pille sogar unabdingbar und notwendig. Nicht nur, dass es eine der zuverlässigsten Verhütungsmethoden ist, sie kann auch bei akuter Akne helfen, Probleme mit der Schilddrüse ausgleichen und starke Stimmungsschwankungen durch einen außer-Balance-geratenen Hormonhaushalt regeln. Ein kleines Wunder steckt also in allem!

Die Pille bietet die Möglichkeit, den Kinderwunsch in gewisse Bahnen zu lenken und auch einige Jahre davon abzusehen. Für jüngere Menstruierende kann die Pille eine besondere Guideline sein, da sie als sicherstes Verhütungsmittel gilt und einfach in der Anwendung ist. Aber wir wünschen uns, dass die Pille nicht leichtfertig und unüberlegt verschrieben wird, denn sie ist und bleibt ein Medikament. Es sollte  besser über die Alternativen aufgeklärt werden. Besonders Menstruierende ab Anfang 20 sollten sich somit Gedanken machen und hinterfragen, welche Richtung der Verhütung sie einschlagen wollen. 

Also steht es jetzt unentschieden?

Trotz all der teilweise sehr schlechten Erfahrungen, wie Trombose, starken Stimmungsschwankungen bis hin zu Lungenembolien, die einige von Euch mit der Pille gemacht haben, ist uns ganz wichtig, keine Verhütungsarroganz zu entwickeln. Die eine perfekte Verhütungsmethode gibt es nicht. Wichtig ist, dass wir uns gegenseitig zum Nachdenken anregen. Denn auch, wenn die Verkaufszahlen der Pille in den letzten Jahren zurückgegangen sind, beschäftigen sich immer noch zu wenige Menstruierende intensiv mit der Frage, wie sie genau verhüten wollen. Ähnlich wie bei der Wahl unserer Periodenprodukte sollten wir auch unsere Verhütungsmethoden kritisch hinterfragen und uns bewusster dafür oder dagegen entscheiden. Ganz wichtig ist nämlich: Ihr sollt nicht immer anti-Alles sein – seid mal „Pro-Körper“ und entscheidet selbst was dann das Richtige ist.

Wusstest du eigentlich … 🤓

Die Pille wurde erst 1960 in den USA als Medikament anerkannt. Bis dahin war sie verpönt und Verhütungsmittel allgemein wurden 1873 sogar per Gesetz als „obszön“ betitelt und damit verboten. Außerdem war die Pille ursprünglich nicht als Verhütungsmittel gedacht, sondern sollte lediglich als Medikament gegen Unterleibsschmerzen helfen. Das erklärt wiederum warum bis heute viele berichten, dass die Periode nicht so schmerzhaft ist, wie vor der Einnahme der Pille. Bis zur Wiedervereinigung Deutschlands ist die Pille auch in beiden deutschen Staaten ein Streitthema. Ab den 70er Jahren stellt die DDR die Pille sogar kostenfrei zur Verfügung. Wohingegen die hormonelle Verhütungsmethode in der BRD ein moralisches Reizthema bleibt.

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One reply on “To pill or not to pill – Was halten wir denn nun wirklich von der Pille?

  • Rika

    Kleine Anmerkung zu nfp: das ist deutlich mehr als Temperaturmessen. Die temperaturmethode hat einrn Pi von etwa 3, also relativ unsicher, wenn man definitiv nicht schwanger werden möchte.
    Bei nfp nach sensiplan werden 2 Merkmale kominiert, Temperatur und Zervixschleim oder Muttermund und dadurch ergibt sich ein pi von 0-0,4, was dann genau so sicher wie die Pille ist.
    Nur damit nicht jemand, der vorher noch nie davon gehört hat, es falsch anwendet und nfp dann wieder als unsicher abgestempelt wird 😉

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