Was Kondome mit Biodiversität zu tun haben

Biodiversität. Aha. Was ist das eigentlich genau? Und ist sie wirklich so wichtig?

Im Grunde geht es um die Bienchen und Blümchen. Das Bundesamt für Naturschutz beschreibt den Begriff Biodiversität als Sammelbegriff für die Vielfalt des Lebens auf unserer Erde und ist die Variabilität aller lebender Organismen und der ökologischen Komplexe zu denen sie gehören. Biodiversität umfasst drei Ebenen: die Vielfalt der Ökosysteme (dazu gehören Lebensgemeinschaften, Lebensräume und Landschaften), die Artenvielfalt und drittens die genetische Vielfalt innerhalb der Arten.” Aha. Runter gebrochen handelt es sich also um die ganzen vielen verschiedenen Tier- und Pflanzenarten auf unserer Welt.

Und warum ist das jetzt wichtig? Vor allem für ein StartUp, das Kondome macht?

Früher dachte ich immer, Biodiversität ist ein Nice-To-Have. Klar ist es schön, wenn es viele Pflanzen- und Tierarten gibt, aber jetzt auch nicht essentiell für künftige Generationen. Höchstens im Bereich Klimaschutz: dass mehr Bäume (statt Brachfläche) auch mehr CO2 absorbieren können. Ich ging davon aus, dass der Schutz der Artenvielfalt im Grunde nicht ein Ziel an sich ist, sondern eher ein Weg für den Klimaschutz. Gerade Unternehmen, die sich hier engagieren: Hammer! Aber wirklich essentiell im Nachhaltigkeitsbereich ist vor allem die Reduktion von CO2-Emissionen für Unternehmen. Oder?Dann fing ich bei einhorn an: Kondome aus Naturkautschuk also. Ich erfuhr, dass gerade im Bereich Kautschuk der Schutz der Biodiversität ein wichtiges Thema ist. Wieso? Wie viele andere Rohstoffe (vor allem Palmöl) wächst Kautschuk für Kondome, Autoreifen, Dichtungsringe oft in Monokulturen in sogenannten Biodiversitäts-Hotspots. In Gegenden also, wo es auf gleich großer Fläche verhältnismäßig viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten gibt. Meist ist der Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten aber durch Monokulturen eingeschränkt.

Bei bedrohten Tierarten tut das den meisten Menschen leid. Aber, ob es jetzt in anderen Teilen der Welt weniger Insekten, Käfer, Fledermäuse oder Vogelarten gibt, geht den meisten Leuten vermutlich nicht sehr nahe. Ist das wirklich so wichtig?

Ihr könnt es euch schon denken. Ja Biodiversität ist wichtig. Extrem wichtig. Tier- und Pflanzenarten leben in einem komplexen System. Sie sind von einander abhängig und erfüllen wichtige Ökosystemdienstleistungen. Das heißt sie haben eine Rolle im Ökosystem. Gibt es Tier- oder Pflanzenarten nicht mehr oder nur noch wenige von ihnen, können ganze Ökosysteme ins Wanken geraten. Wie ein kaputtes Zahnrad, das das ganze System in Stocken bringt. Es ist das Spiel von den Bienchen und Blümchen. Ohne Bienchen, keine Blümchen, keine Äpfelchen, keine Äffchen und so weiter. Ökosysteme sorgen  dafür, dass wir saubere Luft und sauberes Wasser haben. Sie sind aber auch Grundlage für unsere Nahrungsmittel und für viele Arzneimittel. Funktionierende Ökosysteme sind für uns lebenswichtig, überall auf der Welt. Der Mensch ist Teil des Ökosystems. Außerdem dienen Ökosysteme als CO2-Speicher. Wir können es uns schlicht nicht leisten, die biologische Vielfalt zu verlieren.

Die ökologischen Grenzen auf der Welt

Weltweit geht die biologische Vielfalt seit Jahren zurück. Wir rasen hier mit hoher Geschwindigkeit einem Abgrund entgegen. Bis zum Jahr 2050 werden 18 – 35% aller Tier- und Pflanzenarten ausgestorben sein.  25% aller Säugetiere und 41% der Amphibien gelten als vom Aussterben bedroht. Nach dem Konzept der „Planetary Boundaries“ von Johan Rockström gibt es auf unserer Welt neun für das System Erde essentielle ökologische Grenzen. Biologische Vielfalt ist eine davon. Wird die Grenze überschritten, besteht die Gefahr irreversibler Schäden”. Also Schäden, die man nicht wieder beheben kann. Im Bereich Biodiversitätsverlust, gemessen an der Aussterberate von Arten pro Jahr, haben wir die Grenze bereits überschritten. Wir leben hier weit über den planetarischen Grenzen hinaus, viel mehr noch als im Bereich Klimawandel. Ist das nicht krass? Klimawandel als großes Ding, womit künftige Generationen zu kämpfen haben werden, hatte ich seit Jahren auf der Agenda. Biologische Vielfalt bisher nicht.

Warum ist das so? Was meint ihr?

Was hat das jetzt mit Kondomen zu tun?

Biologische Vielfalt als das Thema bei unserer Fairstainability Mission war also klar. Die Welt zu retten wird schwer, aber wir wollen immerhin versuchen, nicht weiter dazu beizutragen ihr zu schaden. Ein Fokus liegt also im Schutz der Biodiversität in der Kautschukanbauregion unserer Kondome. Mit der Universität Hohenheim schicken wir jetzt Studenten nach Malaysia, die vor Ort gucken, wie man das umsetzen kann.

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