Kautschukarbeiter – von langsamer Annäherung zu Freundschaften

Die Plantagenarbeiter

Jetzt sind wirklich schon drei Monate vergangen und ich sitze wieder im einhorn Büro in Berlin, ca. 9500km von Malaysia entfernt und frage mich, wie die Zeit so schnell verflogen ist – und warum Regen sich so kalt anfühlen kann 😉

Gemeinsam mit einer Kooperation der Uni Hohenheim und dem ASA-Programm habe ich mit 3 weiteren Studierenden die letzten 3 Monate in Malaysia verbracht, um die sozialen und ökologischen Bedingungen auf unserer Partnerplantage besser zu verstehen. Meine Aufgabe bestand darin, die Arbeiter zu interviewen und sie und ihr Leben kennenzulernen.

Als ich in Malaysia ankam waren Kautschukanbau und alles was dazugehört für mich nur ein abstrakter Begriff. Ich hatte gehört, dass irgendwie die Bäume angeritzt werden und da dann flüssiges Latex raustropft. Aber wie die tatsächliche Arbeit abläuft, wer hinter der Arbeit steckt und wie es den Menschen beim Arbeiten geht, davon hatte ich keine Ahnung.

Langsame Annäherung…

Am Anfang war ich verunsichert, wie ich den Menschen begegnen soll. Wie wurden wir wohl wahrgenommen? Da kommen 3 Studierende täglich auf die Plantage, zwei davon laufen mit Messgeräten, Kameras und Handys in der Hand über die Plantage und die andere setzt sich dazu und stellt die ganze Zeit Fragen…

So habe ich erstmal die Basics erfahren. Das Tapping findet immer in den frühen Morgenstunden statt. Die Bäume werden mit einem speziellen Messer angezapft und die flüssige Latexmilch tropft nach und nach in den Sammelbecher. Zwischen dem Anritzen der Bäume, den sich langsam füllenden Bechern und dem Einsammeln der gefüllten Becher machen die Arbeiter eine Frühstückspause an der Latexsammelstelle.

Latexmilch

Flüssiger Latex tropft in den Sammelbecher

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Isvaran sammelt flüssigen Latex ein

 

 

                                                                                                                                                                         Mit meinem, mittlerweile ziemlich zerfledderten Notizbuch habe ich mich während der Frühstückspause zu den Arbeitern gesetzt. Ich habe damit angefangen Namen zu lernen und Vokabeln aufzuschreiben: Eimer (timbang), Gummi (getah), Baum (pohon), zapfen (potong), Messer (pisau). Hashim, der Supervisor der Plantage, ist ein sehr Ruhe ausstrahlender Mann. Er hat sich gefreut, dass er mir mit ganz viel Ruhe Vokabeln beibringen konnte. Einige der Arbeiter haben mir geholfen Wörter zu buchstabieren. Außerdem haben sie mir Einblick verschafft in die familiären und verwandtschaftlichen Verknüpfungen. Am Anfang konne ich mir nicht vorstellen, die für mich fremdklingenden Namen jemals zu lernen und richtig  kommunizieren wird auch schwierig. Aber nach und nach gingen mir die Namen wie Paramasivam und Narayanan einfacher über die Lippen. Und mit ganz viel Lachen und Geduld hat die Kommunikation zwischen uns gut geklappt.

Latexsammelstelle

…über herzliche Gastfreundschaft von super lieben Menschen…

Vor allem Fatima (Hashims Frau) war sehr geduldig mit mir und hatte Freude daran, mir zu erklären, wie man richtig tappt und mir das Messer in die Hand gedrückt.

Linda und Fatima beim Tappen

Linda und Fatima beim Tappen

Von ihr habe ich auch gelernt, welche Regeln auf der Plantage außerdem noch gelten: Z.B. die Arbeitszeiten von fünf Uhr morgens bis ca. 13 Uhr mittags; bei Regen wird nicht getappt; Bei Krankheiten ist ein Attest vom Arzt einzureichen usw.

Gleich am zweiten Tag hat Fatima mich nach Hause eingeladen. Ich wurde ihrer erwachsenen Tochter als „anak angkat“ (sowas wie Adoptivkind) vorgestellt. Fatima hat es als ihre Aufgabe gesehen, sich um mich zu kümmern, während ich in Malaysia war. Sie hat mir einen süßen Kaffee gekocht. Gemeinsam saßen wir dann verschwitzt und mit getrocknetem Gummi an den Händen auf ihrer Terrasse und haben uns unterhalten über unsere Familien (und auf dem Handy Fotos gezeigt), die Arbeit, malaysisches Essen und und und… Ich bin immer noch gerührt von dieser Wärme und Gastfreundschaft.

…Erlernen kultureller Unterschiede…

Wie ihr vielleicht wisst, leben in Malaysia drei verschiedene Ethnien: Malayen, Chinesen und Inder. Auf der Kautschukplantage arbeiten indische und malayische Malaysier, von denen ich viel über ihre Kultur erfahren durfte. Bei der Begrüßung beispielsweise berührt man nach dem Händeschütteln kurz seinen eigenen Oberkörper (auf Herzhöhe) um die Freude über die Begegnung auszudrücken. Essen hat einen großen Stellenwert. So wurde ich jeden Morgen gefragt: „Sudah makan?“ – Hast du schon gegessen?” Und wenn ich verneint habe, hatte ich innerhalb von 10 Minuten aus dem nächsten Dorf eine Portion „Nasi Lemak“ – Kokusnussreis mit Chillisoße, Erdnüssen und kleinen Sardinen auf dem Schoss liegen, um das mit der rechten Hand zu essen.

… zu tollen Erlebnissen und Freundschaften.

Bunga und zwei ihrer Töchter

Bunga und zwei ihrer Töchter

Nach ca. 4 Wochen und einigen Litern eingesammelter Latexmilch, war die Warmwerdephase überwunden. Auch außerhalb der Plantage habe ich tolle Stunden mit einigen der Arbeiter verbracht. Zum Beispiel hat mich Bunga (ihr Name heißt übersetzt Blume) zu sich nach Hause zum Mittagessen eingeladen um mir ihre Kinder vorzustellen. Bunga kocht oft für Großveranstaltungen und ist eine super gute Köchin. Sie meinte es so gut mit mir und dem Nachfüllen meines Tellers, dass ich abends, als ich nach Hause kam, fast geplatzt wäre.

 

von links: Narayanan, Ramu, Vero, Sundrambal, Linda und Isvaran im Tempel

Mit Isvaran (einem der Arbeiter) sind Vero (eine der anderen 3 Studenten) und ich zusammen zu einer Zeremonie in den indischen Tempel gegangen. Zuvor hatten wir rumgescherzt, dass wir ja auch ein indisches Gewand anziehen könnten. Als wir bei Isvaran ankamen, standen seine Schwestern schon in den Startlöchern um uns beim Umziehen zu helfen. Sie legte uns Schmuck an, frisierten uns die Haare, zogen uns Lehingas an und machten eeeeinige Selfies. Anfänglich war es ganz ungewohnt in der Kleidung und so aufgestylt zu sein, aber als wir im Tempel ankamen war ich ganz froh nicht underdressed zu sein.

Von weiteren beeindruckenden Erlebnissen und Begegnungen werde ich in den nächsten Wochen weiter berichten.

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