Looks like paper but is plastic!

Ein einhorn sucht fairstainable Verpackung

Einhorn goes fairstainable packaging! Easy – sollte man meinen. Aber wir beißen uns an dem Thema schon eine Weile die Zähne aus. Welches Material eignet sich für unseren Verpackungsprozess? Welches ist nachhaltig produziert und kann auch verwertet werden ohne die Umwelt allzu stark zu belasten? Was ist mit Transport, Verarbeitung und Druck? “Looks like paper but is plastic” reicht uns natürlich nicht! Aber so schnell geben wir nicht auf und deshalb haben wir – Liz, Philip und ich (Maik) – uns 3 Tage auf die Interpack (die weltgrößte Verpackungsmesse) nach Düsseldorf begeben, um zu checken was aktuell so geht! Gleichzeitig durfte ich an der bio!pac2017 teilnehmen – eine Netzwerktreffen für Menschen aus der Biokunststoffszene. Hier nochmal einen dicken Dank an Herr Dr. Thielen für die Einladung!

Was können denn Biokunsstoffe so?

3 Vormittage habe ich auf der bio!pac verbracht und ich war ehrlich erstaunt, mit welchem Herzblut und Enthusiasmus hier ans Werk gegangen wird.

Spannend sind z.B. die Shampoo-Flaschen von Paul Masselink’s Unternehmen O’right Natural & Pure Haircare. Er nennt es „products with the rougher edge“ oder „the disquality of the packaging shows the quality of the product“, wenn die Flasche aus PLA (Polymilchsäure) in einigen Fällen schon im Supermarkt auseinanderfällt. Er verkehrt damit – zumindest verbal – das  Bild vom teuren kratzigen Öko-Shirt ins Gegenteil. Sprich: den Normalo nervt’s, aber seine Kunden stehen drauf! Ist extrem, hat was, aber wie viele Leute erreicht man damit am Ende? Habt ihr Bock auf Kondome, deren Verpackung schon vor der Benutzung auseinanderfällt? Insbesondere für kurzlebige Produkte eine coole Alternative, aber leider nichts für uns.

Außerdem gab es zum Beispiel (heim-)kompostierbare Kunststoffe aus Holz von FSC-zertifizierten Pantagen (Natureflex) oder aber auch „grünes“ Plastik dessen Ursprung die Zuckerrohrplantagen des fernen Brasilien’s sind (Braskem, kennt man unter dem „I’m green„-Logo), das sich aber nicht in der Natur zersetzt. Man sieht also gleich: Bio ist nicht gleich Bio – es gibt verschiedenste Arten und Ausgangsstoffe! Die folgende Übersicht (adaptiert von European Bioplastics) zeigt, wie man Biokunststoffe einteilen kann. So ist von nicht biologisch abbaubaren Kunststoffen aus erneuerbaren Ressourcen (z.B. Zuckerrohr) bis abbaubaren Kunststoffen aus fossilen Rohstoffen (z.B Erdgas) alles dabei. Das Bioplastik von Braskem beispielsweise ist zwar nicht biologisch abbaubar, kann dafür aber in den ganz normalen Plastik-Recycling-Kreislauf. Und auch bei den biologisch abbaubaren gibt es Unterschiede, denn häufig können Sie nicht in auf dem Heimkompost, sondern nur in industriellen Kompostieranlagen zersetzt werden.

Einteilung von Biokunststoffen (adaptiert von European Bioplastics)

Aber auch altbewährtes kann gut sein und so hat Billerudkorsnäs das gute alte Papier in den Mittelpunkt gerückt. Sie arbeiten z.B. an Bierflaschen aus Papier! Crazy stuff, aber leider hält Duff darin bisher maximal ein paar Minuten 😉 Viel interessanter für uns: verschweißbares Papier (sprich “siegelfähig”). Unsere Chipstüte muss verschweißt werden und dafür braucht es normalerweise eine Plastikschicht. Problem: Einen Verbundstoff kann man schlecht recyceln (unsere Tüte besteht aus Papier und Plastik). Etwas ähnliches stellten übrigens auch BASF vor, die mit Hilfe einer kompostierbaren Beschichtung Papier verschweißbar machen. Das kann zukünftig vor allem auch aufgrund seiner Flüssigkeitsbarriere für ToGo-Kaffee-Becher verwendet werden, die sonst ziemlich evil sind. Die ersten Tests zeigen zudem: Das so beschichtete Papier kann auch als Papier recycelt werden. Bäm!

Der Enthusiasmus um Biokunststoffe endet allerdings etwas, wenn man sich die Marktentwicklung anschaut. Nach Zahlen des nova-Instituts sind ca. 2% der globalen Plastikproduktion Bioplaste, wobei das Wachstum gleich auf mit dem von normalem Plastik ist. Das liegt vor allem an dem derzeit geringen Ölpreis und dem schlechten politischem Support. In Deutschland sollte eine abbaubare einhorny-Biokunststoff-Chipstüte zum Beispiel gar nicht in den Biomüll, von wo aus sie letztendlich auch die Kompostieranlage erreichen könnte (BMUB). Und selbst wenn man sie (unwissender oder verbotener Weise, oh oh) trotzdem in die braune Tonne schmeißt, dann sortieren nach Angaben von Philip Sommer (Deutsche Umwelthilfe) oder Umweltbundesamt trotzdem sehr viele Kompostierer alle Arten von Plastik raus. Sie können schlicht nicht zwischen Bio- und normalen Kunststoffen unterscheiden und häufig wären die nach EN13432 zertifizierten abbaubaren Biokunststoffe viel kürzer in der Anlage als nach Norm vorgesehen – sie zersetzen sich also vielleicht gar nicht richtig. De facto landen Biokunststoffe hierzulande zu einem großen Teil in der Müllverbrennung. Wenn man zudem sieht, dass der ökologische Vorteil der Biokunststoffe nicht unbedingt in der Produktion (Stichworte: ökologische Folgen der Landwirtschaft, Nahrungsmittelkonkurrenz, Einsatz von Gentechnik), sondern eben in der Verwertung liegen würde und die Verbrennung zudem doppelt so teuer ist wie eine Kompostierung (Bruno de Wilde, OWS), ist das doch absurd. Hier muss sich was bewegen, denn eigentlich hat Bioplaste ein großes Potential!

Und wie weiter?

Was bleibt ist also ein sehr interessanter Input, aber es fällt schwer im derzeitigen System komplett auf eine Biokunststoffverpackung zu setzen (zumindest solange wir zum Großteil in Deutschland anzutreffen sind ;)). Neben Bioplastik haben wir uns auf der Interpack aber auch nach neuen Verpackungsmaschinen und anderen Materialien umgeschaut. Vielleicht kann für unsere Chipstüte eine Art verschweißbares Papier zum Einsatz kommen, denn jeder weiß in welche Tonne es gehört, es ist kompostierbar und gut recyclebar, solange es nicht im Verbund mit anderen Materialien ist. Unser Credo könnte heißen: looks like paper and is paper! Hier müssen wir uns natürlich trotzdem Produktion, Transport und Verarbeitbarkeit noch genauer anschauen.

Wir sind dran und weitere Tests laufen bald. Keep you informed!

 

Share this madness:

2 replies on “Looks like paper but is plastic!

  • Christian

    Hi, das mit der Bio Verpackung finde ich echt super, sobald ihr die neuen Chipstüten habt, lasst es uns wissen, damit wir es posten können.
    Ps. ich würde die Erdgas Variante wählen, Lebensmittel wie Zuckerrohr sollte nicht dafür verwendet werden.
    Alles beste von den Einhornwelten

    Antworten
  • Lady

    Hallo!
    Habe mal im TV gesehen, dass es in Frankreich wohl schon länger (lebensmittelechte) Verpackungen aus Algen gibt. Vllt. könntr ihr euch das mal anschauen…
    LG

    Antworten

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.