Es dünkt mir zu viel Dünger

Wenn mensch sich die letzten zwei Jahre von einhorn anschaut, dann ist schon ziemlich viel passiert für ein Start-Up, das von Scratch an die Kondomindustrie durchforstet. Vom ersten Besuch auf einer Kautschukplanatage, über Recherche im Bereich nachhaltiger Anbau und Biodiversität für den Kautschukanbau bis hin zur Konkretisierung einiger Fairstainability-Ziele.

Diese sind für unsere Partnerplantage konkret:

  1. Den Agrarchemikalieneinsatz (also Herbizide und Dünger) reduzieren und
  2. Den Zwischenwuchs zwischen den Bäumen stehen lassen

Klingt erstmal ganz einleuchtend: keine Chemie einsetzen und alles sprießen lassen. Andererseits sind Dünger und Unkrautvernichter doch allgegenwärtig und werden auch bei uns in der Gartenarbeit eingesetzt, sodass alles Gewollte gedeiht und prächtig blüht. Warum sollte also auf der Hälfte unserer Partnerplantage auf Chemikalien verzichtet werden, wenn es doch eh alle tun?

Was haben Tropische Regenwälder mit Dünger zu tun?

Gute Frage und dafür machen wir einen kleinen Abstecher in die Biologie. Per se ist Dünger etwas Hilfreiches, denn er verleiht dem Boden zusätzliche Nährstoffe, die vorher nicht ausreichend vorhanden waren. Und da kommen wir der Problematik auch schon etwas näher. Schauen wir uns einmal die Beschaffenheit eines tropischen Bodens an. Dieser besteht aus einer nur sehr wenige Millimeter dünnen nährstoffreichen Humusschicht. Darunter liegen die unlöslichen Bestandteile des Gesteins. In unseren Breiten kann hingegen die Humusschicht bis zu 30 cm dick sein.

Um doch an Nährstoffe zu kommen, bezieht der Boden seinen Vorrat aus den absterbenden Pflanzenresten des Regenwaldes. Das organische Material verrottet im Highspeedmodus, da über das gesamte Jahr  hohe Temperaturen und Niederschlagsmengen vorhanden sind. Und da liegt vermeintlich der Widerspruch der Tropen: nährstoffarme Böden, doch artenreichste Vegetation weltweit. It’s magic, wenn alles intakt ist. Wären da nur nicht diese Monokulturen, die den Erdboden nur noch mit einer Pflanze bedienen und somit auch die natürliche Entstehung von Biomasse unterbrochen wird. Biodiversität passé. Natürliche Nährstofflieferung passé. Schutz vor Schädlingen passé.

Biodiversität auf der Plantage

Der Einsatz von Dünger wirkt wie eine klassische Droge

Also her mit dem Dünger, um die Pflanze in ihrem Wachstum zu beflügeln. Dies geschieht mehrheitlich über Phosphor- und Stickstoffverbindungen, die entweder organisch (natürlich) oder anorganisch (mineralisch) sein können. Fehlt nur einKautschukplantagee dieser Verbindungen, ist ein Überangebot der anderen natürlich zwecklos. Die von den Pflanzen nicht angenommen Nährstoffe versauern dann die Böden und können sogar das Grundwasser verunreinigen. Synthetischer Dünger (wie z.B. Ammoniak) wirkt wie eine klassische Droge: die natürliche Fruchtbarkeit, also der Humusaufbau wird behindert, da ja ständig externe Stoffe hinzukommen.
Die Böden ermüden rascher, versauern und brauchen dementsprechend eine höhere Dosis an Mineraldüngern. Einleuchtende Analogie. Das gleiche passiert mit einer Überdosis an natürlichem Dünger, der aus tierischen oder pflanzlichen Abfällen besteht. Genau, Kuhmist, Gülle oder Kompost ist damit gemeint. Diese Übermüdung macht sich bei den Kautschukbäumen in der 3.Generation bemerkbar – statt 7 Jahre, brauchen sie nun auf denselben Böden 8 Jahre für ihre erste Entwicklungsphase. Bodenverarmung lässt Monokulturen grüßen. Wenn also zuviel Dünger verwendet wird, kommt es zur Überversorgung.

Statt Herbizide wird jetzt die Sense benutzt

Gleichzeitig nährt der Dünger auch Unkraut und Gräser, die zwischen den Bäumen wachsen. Und damit sind wir auch schon beim Thema Herbizide, denn Unkraut soll natürlich nicht noch mehr durch Dünger befördert werden. Auf unserer Partnerplantage gibt es ein unbeliebtes Gras, welches neben anderen zaaaaahlreichen Pflanzen nicht wachsen soll. Das Gras heißt Lalang, auch Silberhaargras genannt. Lalang wird als Bedrohung angesehen, weil es sich rasend schnell vermehrt. Kautschukbauern tendieren dazu, Herbizide für die Eindämmung dieser Gräser einzusetzen, statt die Sense anzulegen.  In Absprache mit dem Plantagenbesitzer versuchen wir nun das ungewollte Gras mechanisch schneiden zu lassen und warten ab, ob das nicht auch so funktioniert. Soweit so gut: der Verzicht auf Agrarchemikalien
ist Teil
unseres Fairstainability Vorhabens, mehr Biodiversität und einen biologischen Anbau zu fördern. Jetzt gilt es abzuwarten, wie der Verzicht auf Agrarchemikalien bei unserer Partnerplantage ankommt.

Arbeiterin auf der Plantage

Wenn ihr wissen wollt, wie das jetzt genau mit dem Kautschukanbau und einhorn funktioniert, dann seid ihr hier genau richtig. Und wenn ihr wissen wollt, wie es bei uns in Malaysia weiter geht, dann stay tuned, denn gleich 3 einhörner werden im August und September nach Malaysia für den Ausbau unsere Partnerschaften gehen. Zwei kennt ihr bereits: Linda und Elisa – die Fairstainability Hasen und das dazugestiegene einhörnchen Katleen, die gefühlt alles zu Malaysia und Thailand (oh hoo) aufsaugt, was nicht bei 3 vom Kautschukbaum getappt wird.

for einhorn.my by Katleen Schneider

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