Wenn Tampons, Binden und Feuchttücher für Verstopfung sorgen

Dunkles Kellergewölbe mit langer Holzbrücke

Jemand dachte sich: „Lieber nicht in den Mülleimer,

ins Klo ist doch viel reiner“

Aber Pumpen haben auch ihre Kapazitätsgrenzen

Deshalb haben Tampons, Binden und Tücher in Toiletten ihre Konsequenzen

Kommt mit mir auf eine Reise in die Unterwelt Berlins. Am Ende lasse ich euch auch noch an meiner kleinen extra Exkursion in die Kanalisation teilhaben.

 

Mein Ausflug zu den Abwasserpumpen und in die Kanalisation

Pumpwerk mit Pumpen in der Kanalisation

Das Pumpwerk. Ein Blick in die Tiefe

 

Socken verschwinden einfach auf mysteriöse Art und Weise und tauchen nie wieder auf. Auch Tampons, Binden und Tücher verschwinden sprudelnd und mit einem Plopp in der Toilette und sind dann einfach weg.

Da sag ich mal: Check!

Alles fließt dann in die Kanalisation und vereinigt sich mit den anderen Abwässern dieser Stadt. Unter der Straße sind die Abwasserrohre leicht abfallend verlegt. Im Zusammenspiel mit der Kraft des Spülvorgangs wird das Abwasser dann zur nächsten Abwasserpumpe transportiert. Wenn es nicht weiter bergab geht, dann muss eine Pumpe nachhelfen. Die Pumpwerke pumpen das Abwasser in ein Klärwerk. In Berlin gibt es davon 168 Stück.

Treffen sich dann all diese Feststoffe gleichzeitig in der Pumpe wieder und drehen sich ineinander, dann entsteht ein riesiger fester Haufen an all den Dingen, die sich nicht auflösen. Das sind vor allem Reinigungstücher und Periodenprodukte.

 

Die Pumpe stoppt

(Und) ein Warnsignal aufpoppt.

 

Nun müssen Menschen anreisen, ihre Arme zuerst in riesige Handschuhe stecken und diese dann in die Pumpe. Alles wird per Hand aus der Pumpe rausgeholt. Diese Reste können unglaublich schwer sein und manchmal müssen sie in Häppchen zersägt werden. Als ich im Pumpwerk war, wurde tatsächlich ein Tampon und eine Binde, neben einer weiteren undefinierbaren Masse an Feststoffen aus der Pumpe geholt. Ein sehr großer Anteil machen Reinigungs- und Feuchttücher aus, welche sich im Abwasser nicht zersetzen. Das ist alles extrem unnötig und würde nicht passieren, wenn nichts anderes als Toilettenpapier durch die Toilette entsorgt werden würde. Damit meine ich genauer gesagt keine anderen Feststoffe (die sich nicht auflösen.)

Einen solchen Störfall gibt es in Berlin im Schnitt sechs Mal täglich. In einigen Fällen muss sogar die Straße aufgerissen werden, um die Rohre wieder frei zu bekommen. Die Behebung dieser Störfälle kostet ca. 3 Mio Euro im Jahr.

 

BITTE NICHT FÜTTERN!

 

Das sollte nicht nur im Streichelzoo hängen, sondern auch an Toiletten und Spülbecken, denn auch Essensreste und Öl sind ganz schlimm für die Pumpen. Das Öl verklumpt und produziert extrem stinkende Klumpen. Was für uns einfach mal schnell aus den Augen und aus dem Sinn ist, das muss möglicherweise eine andere Person mit den Händen aus der Pumpe ziehen. Na, servus!

Kleiner Kran der einen Eimer mit Müll anhebt

Ein Kran fliegt dann das Häufchen weg und es kommt in den Restmüll

Wer noch Hunger hat: Hier nun ein Wrap (up)

Die Reinigung von Abwasser, also das Betreiben von Kläranlagen verbraucht Unmengen an Energie. Und Energie frisst ja bekanntlich Ressourcen, die auch erstmal irgendwo herkommen müssen.

Je mehr Fremdstoffe also im Abwasser schwimmen, desto mehr Ressourcen werden für die Aufbereitung des Wassers benötigt. Die Umweltbilanz? Schlecht – weil unnötiger Weise Energie und Wasser verbraucht wird.

 

Es entstehen also nicht nur ökologische Konsequenzen aus der Faulheit die Produkte einfach runterzuspülen, sondern auch hohe Kosten, um die Pumpen wieder freizukriegen und das Abwasser in der Kläranlage zu reinigen. Und es gibt auch schönere Aufgaben als , mit der Hand verstopfte Abwasserpumpen zu reinigen.

Also keine Tampons, Binden und Feuchttücher in die Toilette! Hier noch paar Infos: https://www.bwb.de/de/12393.php

 

Zusatzausflug in die KANALISATION

Kleine private Erfahrung – nicht allzu ernst nehmen bitte

Mich hat die Thematik geschluckt,

und deshalb haben wir dann noch in die richtige Kanalisation geguckt.

 

Der Eingang zur Kanalisation war verschlossen, und zwar mit einer Tür, welche mit einem Herzchen geziert war. Die Tür existiert deshalb, weil dieser Teil der Kanalisation gerade umgebaut wird.

Diese Tür musste mit einem Kran weggeflogen werden. Eine Treppe ins Tiefe Innere des Treibens unter der Oberfläche wurde frei. Die Kanäle unter der Straße sind Steingutrohre. Die meisten Rohre haben eine Medizinballgröße aber es gibt auch richtig große, durch welche man kriechen könnte. Unter der Straße ist mehr los als man denkt. Es wimmelt nur so von Rohren und Kabeln.

Der Mensch, der die Tür zum Verschwinden gebracht hat, sprach von Hepatitis und ein Weiterer hat schnell ein Gasmessgerät geholt. Anscheinend ist die Luft unter der Erde anders als die darüber. Wir sind die glitschigen Treppen hinunter gestiegen und ich habe versucht nur wenig zu atmen und auf gar keinen Fall etwas zu berühren. In Seelenruhe hat mir der Pressesprecher der Abwasserwerke erklärt wo welches Rohr hinführt, unterm Alex durch, Prenzlauer Berg, bla bla, Hepatitis, ….dann Schönhauser Allee, … ich konnte mir das nicht merken und habe nur genickt, war mir egal. Neben uns fließt Abwasser. Ich bin die Letzte, die dieses Stück Kanalisation sehen konnte (also außer den Menschen, die hier gerade arbeiten), denn nun wird hier unten alles umgebaut. Es gibt noch ein weiteres Rohr, riesig und gemauert. So wie in Filmen. Es liegen Papierfetzen drin, es rennen keine Actionhelden an uns vorbei. Und plötzlich geht der Alarm los. Ein rotes Licht und eine schrille Sirene aus dem kleinen Gasmessgerät  Ich wollte ganz schnell raus, viel zu viel CO2 lag in der Luft.

Gasmessgerät in der Hand einer Person in einer neonfarbenen Jacke

Messgerät

Und jetzt fällt mir auf, dass mir schon ganz schwindlig ist. Jaja, die Macht der Gedanken. Alle bewegen sich in Zeitlupe, ich überhole und stürzte die Treppen hoch. Einigermaßen am Leben und beruhigt kam ich an der Skalitzer 100 an und ein anderes gerade eintreffendendes Einhorn begrüßt mich mit den Worten: “Ich habe mich eben gegen Hepatitis impfen lassen.” Zufall?

(die Menschen, die in der Kanalisation arbeiten, werden regelmäßig auf Hepatitis geprüft, aber mir wurde versichert, dass ich eigentlich keinem Risiko ausgesetzt war, denn ich war nur ganz kurz in der Kanalisation und habe nichts berührt. Nur meine Schuhsohlen mussten wohl oder ÜBEL den Kontakt zum Boden aushalten).

 

Hier ein paar Bilder, um sich die sauerstoffreiche Umgebung einmal genüsslich zu Gemüte führen zu lassen.

BILDER

Nasse Treppe in dunklem Kellergewölbe

glitschige Treppe

Viele Abwasserrohrleitungen zwischen zwei Holzwänden

So sieht es unter der Straße aus

 

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