Zwei Länder, aber eine Art anzubauen: Tansania & Thailand

Nicht nur den Anfangsbuchstaben teilen sich die beiden Länder, sondern auch die besondere Position, dass die Rohstoffe für unsere Untenrumprodukte auf ihrem Boden wachsen können.

Dabei ist Thailand Nummer 1 Produzent für Kautschuk mit 34% der weltweiten Produktion 2016. Das besondere daran: 80% des Kautschuks in Thailand wird in kleinbäuerlichen Strukturen produziert. Auch in Tansania spielt die Landwirtschaft eine große Rolle. 80% der Bevölkerung sind von dem Landwirtschaftssektor abhängig!

Für uns sind kleinbäuerliche Betriebe besonders interessant und wir wollen euch sagen wieso! Denn rein wirtschaftlich stellt sich die offensichtliche Frage: Können wir mit Hilfe kleinbäuerlichen Betrieben, die Mengen an Rohstoffen produzieren, die wir in Zeiten der Industrialisierung und Bevölkerungswachstum und einem damit verbunden steigenden Bedarf an Rohstoffen, benötigen?

Vorteile des kleinbäuerlichen Anbaus 

Zurück zu unserem fan-T-astischen Doppel: In Thailand und Tansania sind kleinbäuerliche Strukturen der Hit. Kleinbauer und Bäuerin sein bedeutet häufig, aber nicht unbedingt, dass nur kleine Flächen bewirtschaftet werden. Wie groß die Felder sind hängt zum Beispiel von der jeweiligen Region und dem Klima ab. Generell werden Kleinbäuer_innen darüber definiert, dass sie eine geringe Ausstattung an Hilfsmitteln und Kapital haben. Häufig wird die Produktion zur eigenen Existenzsicherung benutzt und was übrig bleibt wird auf lokalen Märkten verkauft.

10-12% des Treibhausgasausstoß werden durch die Landwirtschaft produziert. Das bedeutet, dass zu einem großen Anteil unser Konsum von Agrarprodukten zur Klimaerwärmung beiträgt. Die Art und Weise wie wir Landwirtschaft betreiben ist also sehr wichtig und das nicht nur für den eigenen Konsum, sondern auch unser Rohstoffanbau will gut durchdacht sein. Da kommt es gelegen, dass kleinbäuerliche Betriebe meist weniger chemischer Dünger einsetzen, wodurch auch ihr Impact auf die Umwelt geringer ist, da dieser mit fossilen Rohstoffen hergestellt wird!

Der Verzicht auf Pestizide in kleinbäuerlichen Strukturen entsteht meist aus Geldmangel. Gut für die Umwelt an dieser Stelle, dass Bäuer_innen dann zum Großteil auf kreative und alternative Methoden zurückgreifen. Diese sind wiederum meist mit Handarbeit verbunden und dadurch umweltschonender – Hand anlegen ist eben immer noch am besten ;). Überwiegend gibt es auf kleinbäuerlichen Betrieben keine Monokulturen, sondern Mischsysteme. Monokulturen locken durch ihr üppiges Nahrungsangebot zahlreiche Fressfeinde an. Mit ein bisschen Busch und Grünland dazwischen bleiben der Grashüpfer Hopper und seine Bande fern. Die Schädlinge werden auf konventionellen Betrieben mit Pestiziden bekämpft. Aber Michsysteme haben noch viel mehr Vorteile.

Klein aber Oho!

Das klingt doch jetzt alles super. Oft wird die kleinbäuerliche Landwirtschaft aber unterschätzt. Zu Unrecht, wie wir finden, da in kleinbäuerlichen Familienbetrieben mehr als die Hälfte der auf der Welt benötigten Lebensmittel produziert werden. Noch dazu kommt, dass die kleinbäuerliche Landwirtschaft  die größte Arbeitgeberin ist. In Tansania, wo die flauschige Baumwolle für unsere Periodenprodukte herkommt sind über 27 Mio Menschen in ihr tätig (Einwohner 57 Mio). In vielen Ländern des globalen Südens ist dies ähnlich.

und was hat das mit uns zu tun?

Europäische Bäuer_innen werden meistens von der EU subventioniert. Dies macht ihrer Produkte billiger und das teilweise so stark, dass die Kleinbäuer_innen im globalen Süden darunter leiden. Im Senegal können Tomaten aus Europa billiger gekauft werden als das Gemüse der einheimischen Landwirtschaft. Hierzu gibt es natürlich noch viel mehr zu sagen. Zum Einstieg für die die das Interessiert ein Interview zum nachlesen.

Die expandierende industrialisierte Landwirtschaft breitet sich aber immer mehr aus und gefährdet kleinbäuerliche Anbausysteme, was eine Gefährdung der Lebensgrundlage vieler Menschen darstellt. Ihnen wird dadurch ihre Existenzgrundlage entzogen und häufig können sie nicht easypeasy einem anderen Job nachgehen. An dieser Stelle wünschen wir uns, dass noch viel mehr Firmen auf kleinbäuerliche Anbaugebiete zurückgreifen. Nicht nur damit einzelne Bäuer_innen unterstützt werden, sondern auch damit der Umwelt mit Landwirtschaft nicht weiter geschadet wird.

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2 replies on “Zwei Länder, aber eine Art anzubauen: Tansania & Thailand

  • Einhornfan und Ex-Bewerber

    Ergänzend finde ich noch wichtig zu erwähnen, dass es keineswegs selbstverständlich ist, dass größere Betriebe produktiver sind. Das Gegenteil ist der Fall! Etliche ökonomische Studien finden einen negativen Zusammenhang zwischen der bewirtschafteten Fläche und der Produktivität pro Hektar. Erklärungsansätze sind, dass Kleinbauern mehr Arbeit in ihre Felder stecken, sowohl hinsichtlich Qualität (größere Motivation!) als auch hinsichtlich Quantität (kostenlose Hilfe durch Verwandte) und auch „ihre“ Scholle einfach besser kennen.
    Dazu muss man fairerweise sagen, dass dies lange ein ganz klares Schema war, sich aber in den letzten Jahrzehnten nicht mehr so deutlich gestaltet. In der modernen Landwirtschaft ist Arbeitskraft einfach nicht mehr der wichtigste Faktor und wird mehr und mehr durch Maschinen und Pestizide ersetzt. Aber da ist dann höchstens bei manchen Forschern die Rede davon, dass der Zusammenhang zwischen Fläche und Produktivität, nicht, dass er sich umkehrt. Also kann man auch heute davon ausgehen: Größere Betriebe sind nicht produktiver als kleine (und wahrscheinlich sogar weniger produktiv)!
    Und: Die Vorteile, die es dann vielleicht doch hat, „groß“ zu sein (Geld für flotte Maschinen, Vermarktungsmöglichkeiten an den Großhandel,…), kann man eigentlich alle durch Kooperation ausgleichen. Also hat es nicht nur (aber auch!) aus sozialen Erwägungen und unter ökologischen Gesichtspunkten, sondern sogar auch rein wirtschaftlich gedacht viel mehr Sinn, mit Kleinbauern zusammenzuarbeiten und Kooperativen oder auch Maschinenringe oder dergleichen zu fördern, als zu versuchen, unser Modell „moderner Landwirtschaft“ anderen Ländern überzustülpen. Natürlich müssen das die Bauern selbst auch wollen, in einer kleinbäuerlichen Agrarstruktur sind viel mehr Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt als bei uns. Aber ich behaupte, die allermeisten jungen Menschen, die den Hof ihrer Familie verlassen tun das, weil sie in den Städten bessere wirtschaftliche Perspektiven erwarten, nicht weil sie dort lieber leben würden. Also müsste man genau da ansetzen, Kleinbauern eine Perspektive geben! Ich freue mich, dass ihr das tut und hoffe, Euer Beispiel macht Schule!

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    • Nadine

      Schön, dass du den Blogeintrag gelesen hast. Und lieben Dank für deine Ergänzung. Ich hätte das auch voll gerne noch alles geschrieben, jedoch hätte das den Rahmen gesprengt ;-). Ich stimme dir vollkommen zu. Viele nehmen leider fälschlicherweise an, dass große Betriebe effizienter sind. Unsichtbar bleibt oft, dass die Umwelt mehr belasted wird und Kosten externalisiert werden, wofür dann die ganze Gesellschaft aufkommen muss.

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